Auf einen Schnack mit: Anne Sofie von Otter

New York, Paris, London, München – Hamburg. Anne Sofie von Otter ist auf den Bühnen der Welt zu Hause und ab 12. Februar als Gräfin Geschwitz mit „Lulu“ zurück in der Hansestadt. Zwischen den Proben sprach sie mit uns über Hamburgische Heimatgefühle und Krokodile im Libretto.

Sie sind als gefragte Sängerin an den großen Opernhäusern und Konzertsälen der Welt unterwegs und haben unter anderem auch viel mit Christoph Marthaler (Isoldes Abendbrot, Hamburg) gearbeitet – was macht die Zusammenarbeit so besonders?

Die Arbeit mit Christoph Marthaler ist tatsächlich ganz besonders. Andere Regisseure haben natürlich auch ihre individuellen Eigenschaften, aber mit ihm zu arbeiten ist nochmal etwas anderes. Seine Arbeit ist scheinbar langsam, dabei wirkt sie nur so. Während dieser Langsamkeit gibt es große Überlegungen und Kreativität. Es köchelt, ohne dass man es richtig weiß, und plötzlich hat sich etwas ergeben, das ist sehr einzigartig. Er arbeitet viel mit menschlicher Wärme und Humor, das ist immer sehr entspannend für alle. Das gibt am Schluss die Energie, die es für einen gemeinsamen Prozess braucht.

Was fasziniert Sie an Hamburg?

Hamburg ist eine wunderschöne Stadt, alleine die weißen Villen und kleinen Gärten sind traumhaft. Eine Stadt mit Geld, das merkt man sofort. Nach Schweden und vergleichbaren Orten erinnert es mich mit dem vielen Wasser sehr an meine Heimat, das ist ein schönes Gefühl. Und es gibt viel Kultur, ich war jetzt zwei Tage nacheinander im Konzert und morgen gehe ich auch nochmal. Man kann hier gut Zeit verbringen.

Im Prolog wird die Gräfin Geschwitz als Krokodil dargestellt. Sehen Sie eine Parallele zur Rolle?

Nein, die Rolle selbst sieht sich nicht als Krokodil, da bin ich mir sicher. Ich verstehe auch nicht ganz, warum sie so dargestellt wird. Sie ist die Einzige, die sich wirklich um Lulu sorgt und irgendwie sehnt sie sich nach Nähe. Nicht unbedingt rein erotischer Art, ich würde sagen, da gibt es sehr wenig, das darauf hinweist. Sondern eher ein Bedürfnis nach Schutz und Nähe. Was hat ein Krokodil damit zu tun?

 

Anne Sofie von Otter

von_Otter_Anne-Sofie-credit-Mats-BäckerMezzosopranistin und Grammy-Gewinnerin Anne Sofie von Otter ist eine der profiliertesten Künstlerinnen der heutigen Zeit. Sie gilt als unübertreffliche Octavian (Der Rosenkavalier) ihrer Generation und ist in dieser Rolle bereits im Royal Opera House Covent Garden, der Bayerischen Staatsoper, der Opéra National de Paris und der Metropolitan Opera aufgetreten. Zu weiteren eingespielten Höhepunkten ihrer Opernkarriere gehören „Le nozze di Figaro“ unter James Levine, „Idomeneo“, „La clemenza di Tito“ und „Orfeo ed Euridice“ unter John Eliot Gardiner, Händels „Ariodante“ und „Hercules“ unter Marc Minkowski und „Ariadne auf Naxos“ unter dem verstorbenen Giuseppe Sinopoli.

Zu den Highlights der Saison 2016/17 gehören eine USA- und Europa-Tournee mit dem Streichquartett Brooklyn Rider, auf der sie die gemeinsame CD-Aufnahme „So many things“ präsentieren. Auf der Opernbühne ist Anne Sofie von Otter als Gräfin Geschwitz unter der musikalischen Leitung von Kent Nagano in Christoph Marthalers neuer Produktion von „Lulu“ an der Staastoper Hamburg und als Leonora (The Exterminating Angel) am Royal Opera House Covent Garden zu sehen.

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