Auf einen Schnack mit: Christina Gansch

Nach ihrer Sœur Constance in Poulencs „Dialogues des Carmélites“ feiert Christina Gansch das zweite Rollendebüt in diesem Frühjahr: die Titelpartie in Händels Almira. Wir haben kurz mit ihr darüber geschnackt.

In „Almira“ wird die Geschichte einer jungen Königin im Zentrum eines turbulenten Liebeslabyrinths erzählt. Was für ein Charakter ist Almira deiner Meinung nach?

Christina Gansch: Sie ist auf jeden Fall eine starke Persönlichkeit, das muss sie allein schon aufgrund ihres Schicksals sein. Ihre Eltern leben nicht mehr, und sie befindet sich in der Obhut eines Freundes und wird dann auf einmal Königin. Und es kommt zu einem Liebeskonflikt, der sie zu zerreißen droht. Auf der einen Seite liebt sie ihren Diener Fernando, geht aber irrtümlich davon aus, dass er sie nicht wieder liebt. Auch darf sie ihn nicht heiraten, denn es existiert ein Brief ihres verstorbenen Vaters, in dem bestimmt wird, dass sie als Thronfolgerin einen Sohn Consalvos heiraten muss. Derartige Verwicklungen sind für einen Bühnencharakter natürlich äußerst spannend. Man muss, finde ich, richtig aufpassen, damit man als Interpretin dieser vielschichtigen Rolle nicht während des ganzen Stückes unter Strom steht.

Du stehst nun zum ersten Mal als Almira auf der Bühne. Ist das deine erste große Barockpartie?

Christina: Nein, während meines Studiums in London habe ich schon viel Barock gesungen, in erster Linie Kantaten von Bach. Eigentlich war dies für mich der berufliche Einstieg. Denn meiner Meinung nach kann sich eine Stimme sehr gut analog zu den einzelnen musikalischen Zeitaltern entwickeln. Darum sollte gerade ein junger Sänger viel aus dem barocken Repertoire singen. Und in London bekam ich dann auch „meine“ erste Barockoper, quasi als Einfrauen-Stück mit Kammerensemble. Es war eine Zusammenstellung von Händel-Arien, aus denen sich gut eine Geschichte formen ließ: „Handel, the Spy“. Die Handlung folgt der Annahme, dass Händel als Spion von Hannover nach London geschickt wurde, um über den Gesundheitszustand der englischen Königin Anne zu berichten. Denn der nächste Thronfolger wäre der Kurfürst Georg Ludwig aus Hannover gewesen.

Du hast erwähnt, dass Barockmusik für junge Stimmen gut geeignet sei. Trifft das denn auch für die Werke des noch sehr jungen Komponisten Händel zu? Die Oper „Almira“ schrieb er mit neunzehn Jahren.

Christina: Man merkt schon, dass „Almira“ aus einer frühen Schaffensperiode Händels stammt, aber ich empfinde das keineswegs als negativ. Das heute so berühmte „Lascia ch’io pianga“-Thema, das hier bereits vorkommt, hat er in seinem späteren Werk Rinaldo erneut aufgegriffen. Die Partie der Almira ist tatsächlich nicht unbedingt für eine junge Stimme gedacht. Da sind schon allerlei Facetten dabei, die eine gewisse Erfahrung voraussetzen. Es ist eine lyrische, zugleich eine dramatische und eine Koloraturpartie. Es gibt Arien, die so unterschiedlich in ihren Wesenszügen sind, dass man sie gar nicht in ein spezielles Fach einordnen kann.

Das Interview führte Annedore Cordes (journal 5/2017)

 

Gansch Christina 1Christina Gansch

Die österreichische Sopranistin Christina Gansch studierte am Mozarteum Salzburg und schloss ihr Studium 2012 mit Auszeichnung ab. Im Anschluss war sie Stipendiatin an der Royal Academy of Music in London bei Lillian Watson.

Seit der Spielzeit 2016/2017 ist Christina Gansch Mitglied des festen Opernensembles der Staatsoper Hamburg, wo sie Partien wie Pamina (Die Zauberflöte), Almira (Almira), Constance (Dialogues des Carmélites) und Gretel (Hänsel und Gretel) singt. In dieser Spielzeit singt sie außerdem die Marzelline in Beethovens „Leonore“ bei den Dresdner Musikfestspielen, gibt ihr Debut an der Opéra national de Paris und kehrt auch zu den Salzburger Festspielen zurück.

Mehr über Christina Gansch könnt ihr auf ihrer Website erfahren.

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