Auf einen Schnack mit: Kent Nagano

Wir haben Generalmusikdirektor Kent Nagano nach der Orchesterprobe auf einen kurzen Schnack getroffen.

Was fasziniert Sie an Wagner?

Diese Frage lässt sich entweder ganz einfach oder nur ganz schwer beantworten. Tatsache ist, dass Wagner ganz fantastische Musik geschrieben hat. Er schafft es, in seine Musik eine gewisse Dramatik hineinzubringen. Früher sahen Partituren für das Orchester eine eher untergeordnete, begleitende Rolle vor. Bei Wagner war das anders – er brach mit den bestehenden Konventionen und löste auf der ganzen Welt Bewunderung aus. Gerade habe ich das auch wieder in Bogotá erlebt: Unsere Produktion „Tristan und Isolde“ wurde in Kolumbien zum ersten Mal aufgeführt. Es hat die Leute sofort mitgerissen und verzaubert.

Wenn ich auf „Lohengrin“ blicke, geht es mir genauso. Jede Phase Wagners zeichnete sich durch Brillanz aus, er hat einfach hervorragende Musik komponiert – für das Orchester, für die Bühne, für das Publikum.

Welche Musik läuft auf Ihrem iPod?

Wenn Sie es glauben können: Ich habe weder iPod, noch CD-Player, auch kein Radio – wenn ich Musik hören möchte, dann mache ich das live am Klavier. Ich weiß, das ist sehr old school. Aber viele meiner Kollegen sind sich einig: wenn man das Privileg hat, Musik zu machen und zu leben – möchte man zu Hause am liebsten Stille haben oder Musik nur für sich selbst spielen. Hausmusik sozusagen. Wir Musiker begreifen Musik vor allem als akustisches Phänomen. Wenn die Akustik aus dem Lautsprecher kommt, klingt sie anders. Und durch Instrumente klingt akustische Musik einfach besser. Ich spreche hier aber nicht über E-Musik oder zeitgenössische Musik, die speziell für elektronische Geräte konzipiert wurde – das ist etwas anderes.

Wenn Sie die Zeit zurückdrehen könnten, in welcher Epoche würden Sie gerne leben?

Als Musiker haben wir jeden Tag die Möglichkeit in die Zukunft oder in die Vergangenheit zu reisen. Musik ist eine sehr besondere Kunstform, die Zeiten überdauert. Deswegen gibt es für mich kein richtiges Bedürfnis oder gar Sehnsucht, in die Vergangenheit zu reisen – denn das machen wir als Musikliebhaber die ganze Zeit. Das ist das Privileg, das wir als Musiker haben und unserem Publikum weitergeben.

 

Kent Nagano
Kent Nagano gilt als einer der herausragenden Dirigenten sowohl für das Opern- als auch das Konzertrepertoire. Seit der Spielzeit 2015/2016 ist er Generalmusikdirektor und Chefdirigent der Hamburgischen Staatsoper und Hamburgischer Generalmusikdirektor des Philharmonischen Staatsorchesters.

c-felix-broede-1804-08Zudem ist er seit 2006 Music Director des Orchestre symphonique de Montréal und seit 2013 Artistic Advisor und Principal Guest Conductor der Göteborger Symphoniker. Als vielgefragter Gastdirigent arbeitet Kent Nagano weltweit mit den führenden internationalen Orchestern, u.a. mit dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, den Münchner Philharmonikern, dem London Symphony Orchestra, dem BBC Symphony Orchestra, dem Tonhalle-Orchester Zürich, dem WDR-Sinfonieorchester, Concerto Köln, dem Finnischen Rundfunkorchester, dem Orchestra dell’Accademia Nazionale di Santa Cecilia in Rom und bei den Wiener Festwochen. Seit 2014 gestaltet er im Rahmen der AUDI-Sommerkonzerte ein eigenes Festival, das Vorsprung-Festival.

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1 Kommentar

  1. Margret Steeinberg sagt:

    sehr geehrter Herr Nagano,
    Herzlichen Glückwunsch zu Ihrem Geburtstag. Alles Gute für Ihr neues Lebensjahr und noch viele schöne Jahre in Hamburg,
    Das Abo-Konzert am letzten Sonntag hat mir sehr gut gefallen, ebenfalls die Lohengrinaufführung. Ich freue mich schon auf die Salome am Freitag.
    liebe Grüße
    Margret Steeinberg

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