Hummel Hummel – Mors Mors: Adina trifft Künstlerisches Betriebsbüro

Die Inszenierung „L’Elisir d’Amore“ von Jean-Pierre Ponnelle aus dem Jahre 1977 ist ein echter Klassiker in unserem Opernrepertoire. Valentina Naforniţă übernimmt die Rolle der Adina und gibt damit ihr Hamburg-Debüt. Toni Post, Leiter des Künstlerischen Betriebsbüros (KBB), ist schon ein Weilchen länger (schlappe 18! Jahre) am Haus. Mit ihnen sprachen wir über Hamburgische Heimatgefühle, Rituale vor den Vorstellungen und Opern-Babylon.

Valentina, Du gibst dein Debüt an der Staatsoper. Toni, du arbeitest schon seit 18 Jahren an der Hamburgischen Staatsoper. Wie gefällt euch Hamburg?

Valentina Naforniţă: Es gefällt mir sehr gut, vor allem wenn die Sonne scheint, ist es sehr schön hier. Privat war ich vor acht Jahren schon einmal in Hamburg und ich weiß noch, dass mir alles hier sehr groß vorkam. Vielleicht weil ich noch etwas jünger war (lacht)…  Damals habe ich mit Freunden in der Staatsoper „La Traviata“ gesehen. Hier am Haus fühle ich mich sehr wohl, genieße jeden Tag und bin jeden Morgen voller Energie – was hoffentlich auch bis zu meinem Auftritt so bleibt (lacht).

Toni Post: In zwei Jahren habe ich länger in Hamburg gelebt, als jemals in einer anderen Stadt. Das hätte ich nie zuvor gedacht. Als ich nach Hamburg kam, dachte ich: „Okay, ich probiere es mal zwei bis drei Jahre aus.“ Ich komme aus dem Süden – für uns war Rom quasi direkt um die Ecke, Hamburg aber sehr weit weg. Mittlerweile fühle ich mich hier wirklich zu Hause, ganz besonders im Sommer. Wenn man nach der Vorstellung draußen ein Glas Wein trinken kann und die Sonne noch ein bisschen scheint, ist das wirklich schön. Die Zeit zwischen Oktober und März ist dagegen sehr hart (lacht).

Wo ist eure gemeinsame Schnittstelle am Opernhaus?

Valentina Naforniţă: Das KBB muss die gesamte Probenzeit darüber informiert sein, wann wir  wo sind und erstellt die Probenpläne, nach denen wir Sänger uns richten. Gleichzeitig sind wir ständig auf die Hilfe des KBBs angewiesen. Dass wir uns persönlich in der Oper treffen, ist aber eher selten (lacht).

Toni Post: Ja, genau! Wir unterstützen uns gegenseitig. Meine Kollegin und ich arrangieren nach Möglichkeit am Tag der Ankunft immer ein Treffen mit neuen Gastsängern. Es ist schöner, wenn man sich persönlich kennt und wichtig, dass sich die Sänger/innen bei uns am Haus wohl fühlen.

Die Hamburger Inszenierung von „L’Elisir d’Amore“ stammt aus dem Jahr 1977. Was gefällt euch an klassischen Opern im Vergleich zu modernen Inszenierungen?

Valentina Naforniţă: Klassische Opern sind einfach wunderbar, sie sind sehr klar: Das Publikum versteht das Stück meist ohne weiteres und kann die Musik genießen. Wenn man an Oper denkt, erwartet man genau das. Die Inszenierung hier am Haus ist sehr schön und vor allem sehr witzig. Es ist toll, dass wir so ein junges frisches Team sind. Und es gab sogar ein paar Momente im Stück, in denen ich sehr überrascht war, was 1977 schon auf der Bühne gezeigt wurde. Es gibt eine Szene am Anfang, in der sich Adina und Belcore zum ersten Mal treffen und er ihr direkt einen Klapps auf den Po gibt (lacht). Aber auch moderne Inszenierungen sind sehr spannend, sowohl für uns Sänger, als auch für das Publikum. Manchmal muss man über die Bühne springen und dabei das hohe C singen – das hat auch seinen Reiz und ist körperlich oft sehr anspruchsvoll.

Toni Post: „L‘Elisir d’Amore“ ist eine wirklich sehr klassische Oper. Ich mag das Stück sehr gern, denn wie du gesagt hast: Genau das stellt man sich vor, wenn man an Oper denkt. Ich finde auf die richtige Mischung kommt es an: klassische Inszenierung sind der Schatz im Repertoire-Kästchen und neue Produktionen regen zum Nachdenken an. Wenn immer nur die gleiche Inszenierung auf dem Spielplan stünde, dann wäre es schnell langweilig.

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Mozart oder Wagner?

Valentina Naforniţă: Auf jeden Fall Mozart! Ich mag Wagner auch sehr gern, aber es zählen aktuell nun Mal viele Partien aus Mozart-Opern zu meinem Repertoire.

Toni Post: Definitiv Mozart. Meine Lieblingsoper ist „Le Nozze de Figaro“. Wenn ich mal schlecht drauf bin, brauche ich mir nur Finale 2 anzuhören und die Welt ist wieder in Ordnung.

Operninszenierung oder Gala?

Valentina Naforniţă: Das ist eine schwere Entscheidung. Ich mag beides gern! Inszenierungen sind sehr viel Arbeit, bei einer Neuproduktion muss die Rolle wirklich in den eigenen Körper übergehen. Das ist bei Konzerten anders: Man singt Stücke verschiedener Komponisten und auch mal ein Duett, das ist sehr abwechslungsreich.

Toni Post: Aus der beruflichen Perspektive hat das KBB bei Galas weniger Berührungspunkte mit den Sänger/innen. Die Künstler kommen zu uns, es gibt zwei Proben und dann gehen sie wieder. Aber ich persönlich bin kein großer Fan von Galas, weil sie einen Best-of-Charakter haben. Ich finde es interessanter, einer Figur dabei zuzusehen, wie sie sich innerhalb eines Stückes entwickelt und verschiedene Facetten zeigt. Deshalb bevorzuge ich Inszenierungen. Dadurch, dass sie mit einem viel längeren Arbeitsprozess verbunden sind, sieht man die Sänger/innen häufiger und baut einen engeren Kontakt zu den beteiligten Personen auf.

Skilift oder Strandkorb?

Valentina Naforniţă: Strandkorb! Ich liebe die Sonne und das Meer. Das Salzwasser und die Seeluft sind zudem sehr gesund für uns Sänger. Außerdem muss man sich nicht so viel Gedanken um seine Kleidung machen (lacht). Aber ich mag auch die Berge sehr gerne: In Wien leben wir in der Nähe von Simmering und sind daher schnell in den Bergen, aber ich gehe lieber wandern als Ski zu fahren.

Toni Post: Ich bin seit 18 Jahren nicht mehr Ski gefahren, da wir nur in der Sommerpause Urlaub nehmen können. Da ich aus den Alpen komme, vermisse ich das Skifahren wirklich sehr. Aber an freien Wochenenden fahre ich gerne mal an die Ostsee. Generell bin ich gern in der Natur und mag die frische Luft und die Sonne. Also muss ich mich gezwungener Maßen für den Strandkorb entscheiden (lacht).

Frage von Toni Post an Valentina Naforniţă: Hast du bestimmte Rituale vor der Vorstellung?

Valentina Naforniţă: Der Tag der Vorstellung ist für mich insgesamt wie eine Art Ritual, er hat fast immer den gleichen Ablauf: Ich stehe morgens auf, esse mein Frühstück und mache danach mein Warm-up. Nach dem Lunch brauche ich auf jeden Fall meine Siesta, in etwa eine halbe Stunde Schlaf. Danach mache ich mein Make-up meist selbst. Außerdem versuche ich am Tag der Vorstellung weniger zu reden, um meine Stimmbänder vor dem großen Kampf auf der Bühne zu schonen (lacht).

Frage von Valentina Naforniţă an Toni Post: Arbeitest du gerne mit Sängern und wenn ja, warum?

Toni Post: Was ich sehr mag ist, dass hier so viele Menschen aus aller Welt arbeiten. Man spricht mit jemandem auf Englisch und plötzlich kommt ein russischer Kollege vorbei, der nur Russisch und Italienisch spricht, also wechselt man zu Italienisch, dann kommt ein französischer Kollege vorbei… wir nennen das Opern-Babylon. Es ist sehr international und trotzdem arbeiten alle für dasselbe Ziel: eine schöne Vorstellung auf die Bühne zu bringen.

In 18 Jahren gab es nur ein oder zwei Tage, an denen ich keine Lust hatte zur Arbeit zu gehen. Obwohl es harte Arbeit ist – die Tage können sehr lang sein – macht es mich stolz, mit Leuten zu arbeiten, die so etwas Tolles leisten.

Valentina Naforniţă
Nafornita, rotes Top Front, (c) credit Dragosh Cojcaru 2016Valentina Nafornita wurde in Glodeni (Moldawien) ge­boren und studierte unter anderem am Stefan Neaga Music College in Chisinau und an der Bukarester Musikhochschule. Engagements führten sie unter anderem an die Mailänder Scala, nach Amsterdam, Edinburgh, an die Staatsoper Berlin, an die Bayerische Staatsoper in München und nach China. Von 2011 bis 2016 war Valentina Nafornita Ensemblemitglied der Wiener Staatsoper und hat unter anderem als Susanna, Oscar, Musetta, Marzelline und Norina gesungen. Seit 2016/17 ist sie freischaffend und mit der Wiener Staatsoper noch mit einem Gastvertrag verbunden.

Toni Post
ToniPost2Toni Post stammt aus Oberbayern. Bereits mit 12 Jahren schnupperte er Theaterluft als Puppenspieler beim Tölzer Marionettentheater. Der studierte Diplom-Kulturwirt sammelte erste professionelle Erfahrungen u.a. beim Festival „Rossini in Wildbad“ und bei Odeon Concerte. 1998 kam er als Assistent ins Künstlerische Betriebsbüro der Hamburgischen Staatsoper, dessen Leitung er 2010 übernahm.

1 Kommentar

  1. Christine Liebold sagt:

    Habe Freude an diesem Doppelinterview gehabt! Mme. Nafornita toi toi toi für die „Adina“ und dem Kollegen Post alles Gute! Kollege deshalb, weil ich vor vielen Jahren die gleiche Stressposition hätte wie er – zuletzt in Kiel. Die Staatsoper Hamburg hat uns oft Beistand geleistet! Wir Euch manchmal auch ….. Mit Frau Könemann bin ich befreundet – ihr Vater war mein Lehrmeister in Dortmund und mein Intendant in Kaiserslautern. Das KBB zu leiten ist ein toller, spannender Beruf – auch wenn man immer an allem Schuld hat! Ich denke sehr gern am die Zeit zurück…

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