„Hummel Hummel – Mors Mors“: Harfenistin trifft Gewandmeister

In unserer Interviewreihe „Hummel Hummel – Mors Mors“ treffen wir uns regelmäßig mit Menschen, die hier an der Oper sowohl auf der Bühne, als auch hinter den Kulissen tätig sind. Dieses Mal haben wir uns mit Lena-Maria Buchberger, Solo-Harfenistin des Philharmonischen Staatsorchesters und Ralf Bechtel, Herrengewandmeister an der Hamburgischen Staatsoper, verabredet.

Was magst Du besonders an Deinem Beruf?

Lena-Maria Buchberger: Dass wir wirklich jeden Abend etwas Schönes präsentieren dürfen und den Menschen etwas damit geben können. Mein Instrument, die Harfe, kommt oft zum Einsatz, wenn es auf der Bühne zauberhaft und kitschig wird. Darüber ärgert man sich manchmal, weil man bestimmte andere Stellen verpasst. Dennoch ist es natürlich eine sehr dankbare Aufgabe, immer dann spielen zu dürfen, wenn romantische Stimmung aufkommt und zum Beispiel geheiratet wird.

Ralf Bechtel: Die Abwechslung in meinem Beruf, speziell hier an der Oper. Die Produktionen sind sehr unterschiedlich – Historisches, Modernes und Fantasievolles wird angefertigt. Da kann ich mich als Gewandmeister sehr gut mit einbringen. Dass die Vorstellungen des Kostümbildners auf der Bühne funktionieren liegt mitunter in meinem Verantwortungsbereich. Ich bin dann auch ganz stolz, wenn am Ende die Musik, Bühne und Kostüme zusammenkommen und das Gesamtwerk stimmt.

Mit welchem Theaterberuf könntest Du Dir vorstellen für eine Woche zu tauschen?

Lena-Maria: Wenn ich singen könnte, würde ich gerne mal im Chor singen. Ich bin nicht der Typ Mensch der gerne alleine auf der Bühne steht. In einer Gruppe etwas auf die Beine zu stellen und in verschiedenen Rollen auf so einer großen Opernbühne zu stehen, fände ich total interessant.

Ralf: Bei mir bleibt es ein Beruf hinter den Kulissen. Die Bühnentechnik fasziniert mich seit langem. Ich würde gerne etwas bewegen, sei es Teile des Schnürbodens oder auch Kulissen. Ich bin in meinem Beruf auch bei den Proben dabei und bekomme so einen konkreten Eindruck der verschiedenen Bühnenbilder und der ganzen Technik die dahinter steckt. Selbst mal „Hand anlegen“ könnte ich mir sehr gut vorstellen.

Wo geht Deine nächste Reise hin?

Lena-Maria: Ich habe mir in der letzten Woche eine Liste gemacht und versuche nun jeden Tag diese einzugrenzen. Leider gelingt es mir nicht sonderlich gut und ich kann daher noch nicht genau sagen wo es hingeht. Es muss auf jeden Fall ein Ort sein, wo man surfen kann. Zu meinen aktuellen Traumdestinationen gehören Indonesien, Maui und Tansania.

Ralf: Es geht für eine Woche nach Stockholm zum Eurovision Song Contest. Ich bin gerne in Skandinavien und bereise den Norden fast jeden Sommer. Es ist, nach Kopenhagen, auch bereits mein zweiter Besuch eines Eurovision Song Contests.

HSV oder St.Pauli?

Lena-Maria: Ich kann aus keiner Mannschaft einen Spielernamen nennen aber ich war auf dem 100. Geburtstag vom FC St. Pauli und bleibe deshalb aus Sympathiegründen bei St. Pauli.

Ralf: Ich kenne mich bei Fußball überhaupt nicht aus, aber mir liegt das Alternative mehr als der große HSV und deshalb ist es bei mir auch der FC St. Pauli.

Elbe oder Alster?

Lena-Maria: Auf jeden Fall die Elbe! Ich wohne sehr nahe an der Elbe und liebe es am Elbstrand zu spazieren. Wenn dann die großen Schiffe vorbeifahren, weiß ich, dass ich in Hamburg zuhause bin.

Ralf: Bei mir ist es eher die Alster und da ganz speziell der Alsterlauf, wo der Fluss herkommt. Ich gehe da gerne spazieren. Es ist eine Art Tal mit viel Grün und Bäumen, wo man sich auch mal etwas verloren fühlen kann. Am Wochenende kann es aber auch da voll werden.

Berge oder Strand?

Lena-Maria: Das ist 50/50 bei mir. Ich liebe Wasser aber ich gehe auch gerne wandern. Zurzeit habe ich wohl eher eine Wasser-Phase aber das kann sich durchaus wieder ändern.

Ralf: Eher die Berge. Ich komme aus dem Schwarzwald und wandere sehr gerne in den Bergen und Wäldern.

Frage von Lena-Maria Buchberger an Ralf Bechtel: „Wird man als ausgebildeter Maßschneider auch mal von Familie und Freunden in die Pflicht genommen?“

Ralf: Das kommt gerne mal vor. Da muss man einfach eine klare Linie fahren und den jeweiligen Aufwand abwägen. Mein Freundeskreis weiß natürlich auch, dass ich nach Feierabend kein Brautkleid mehr nähen möchte.

Frage von Ralf Bechtel an Lena-Maria Buchberger: „Gibt es eine besondere Markierung an der Harfe damit man die richtigen Saiten findet?“

Lena-Maria: Bei der Harfe sind alle C-Saiten rot und alle F-Saiten schwarz. Ansonsten könnte man das wirklich überhaupt nicht finden, denn da würde der Blick sofort verschwimmen. Die farbliche Abtrennung in jeder Oktave hilft da wirklich extrem.


Kurzbiografie Lena-Maria Buchberger:

LenaLena-Maria Buchberger wurde 1985 in Frankfurt am Main geboren und begann als 11-jährige mit dem Harfenspiel. Sie studierte bei Maria Graf an der Hochschule für Musik „Hanns Eisler“ in Berlin und bei Xavier de Maistre an der Hochschule für Musik und Theater Hamburg. Seit 2007 ist sie regelmäßiger Gast bei den Berliner Philharmonikern, von 2010 bis 2012 war sie Stipendiatin der dortigen Orchesterakademie und wurde von Marie-Pierre Langlamet betreut. Ebenso gastierte sie in renommierten Klangkörpern wie dem Tonhalle-Orchester Zürich, dem WDR-Sinfonieorchester, den Bamberger Symphonikern, dem Rundfunksinfonieorchester Berlin, Bergen Philharmonic und Den Norske Opera Oslo. Konzertreisen führten sie nach Asien, Australien, in die USA und durch weite Teile Europas.
In der Saison 2009/2010 konzertierte sie in der „Bundesauswahl Konzerte Junger Künstler“ des Deutschen Musikrates, im Jahr 2014 wurde ihr der „Ritter-Preis“ der Oscar-und-Vera-Ritter-Stiftung verliehen. Seit August 2013 ist Lena-Maria Buchberger Solo-Harfenistin des Philharmonischen Staatsorchesters Hamburg.

 

Kurzbiografie Ralf Bechtel:

RalfBechtel_1Ralf Bechtel, geboren 1969 in Freiburg im Breisgau war schon früh für Handarbeit und Stoff begeistert und hat Mutters „Gute Bettwäsche“ zerschnitten um daraus Kostüme zu nähen. So war auch schnell klar, dass er dies auch richtig lernen wollte. Er begann eine Ausbildung zum Herrenschneider am Theater in Freiburg, an dem er anschließend für einige Jahre arbeitete. 1995 kam er nach Hamburg um hier die zweijährige Ausbildung zum Gewandmeister zu absolvieren. Nach erfolgreicher Prüfung begann er in der Herrenschneiderei der Hamburger Staatsoper, zunächst als „einfacher Schneider“, zu arbeiten. Mittlerweile ist er seit der Spielzeit 99/2000 als Herrengewandmeister tätig und somit mitverantwortlich für die Kostüme, die auf der Bühne zu sehen sind.

 

 

 

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