Hummel Hummel – Mors Mors: Opernstudio trifft Dramaturgie

Diese Ausgabe von Hummel Hummel – Mors Mors steht ganz im Zeichen der Uraufführung „immer weiter“. Wir haben uns mit Narea Son, Sopranistin unseres Opernstudios und Jana Beckmann, einer der beiden Dramaturginnen getroffen. Passend zur Produktion haben wir mit ihnen über ihren Alltag und ihre persönlichen Mittel zum Ausbruch aus der Routine gesprochen.

Wie sieht euer Alltag aus?

Narea Son: Der Alltag einer Sängerin ist wahrscheinlich nicht so aufregend wie man ihn sich vorstellt (lacht): Beim Weckerklingeln stehe ich auf und trinke erst einmal ein Glas Wasser. Das ist sehr wichtig, damit meine Stimmbänder befeuchtet werden. Dann dusche ich und packe meine Sachen zusammen. Mit dem Fahrrad mache ich mich auf den Weg zur Oper und probe 3 Stunden. Nach der Probe fahre ich nach Hause, trinke Tee und versuche eine halbe Stunde zu schlafen, damit ich für die Nachmittagsprobe fit bin. Danach gucke ich mir die Noten für die zweite Probe an oder für die Vorstellung am Abend. Dreißig Minuten vorher bin ich wieder an der Oper und singe mich ein. Nach der zweiten Probe treffe ich mich dann manchmal noch mit Freunden oder gehe essen. Mein Tagesablauf ist also eigentlich ziemlich routiniert. Für die Stimme ist diese Routine aber sehr gut und wichtig.

Jana Beckmann: Mein Alltag spielt sich vor allem im Theater ab. Der Job als Leitende Dramaturgin der Oper Wuppertal ist ziemlich abwechslungsreich und man ist auf verschiedenen Ebenen gefordert. Als Produktionsdramaturgin arbeite ich eng mit den Regisseuren und Künstlern zusammen. Gemeinsam mit dem Intendanten und der Generalmusikdirektorin gestalte ich den Spielplan, wir stellen die Regie-Teams zusammen, entwickeln neue Formen und Formate – da geht es vor allem darum, Ideen anzustoßen und auf den Weg zu bringen. Außerdem erstellen wir Blogs, Programmhefte, Theaterzeitungen, übernehmen Interviews, Einführungen, die Moderation von Gesprächen und haben Kontakt zu Verlagen und Komponisten. Es ist auch wichtig auf dem Laufenden zu sein und zu wissen was wo passiert.
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Was ist euer persönliches „immer weiter“?

Jana: Mein persönliches „immer weiter“? Ich glaube es braucht schon gewisse Routinen aber natürlich nicht ohne die unbedingte Neugier und die Lust auch immer wieder abzubiegen. Sich selbst zu überraschen und Unbekanntes zu entdecken.

Narea: In meinem getakteten Tagesablauf versuche ich Zeit zu finden, um mal Durchzuatmen – im wahrsten Sinne des Wortes. Zu Hause habe ich zum Beispiel immer das Bedürfnis das Fenster aufzumachen und durchzulüften. Das darf bei mir auf keinen Fall fehlen! Ich setze mich dann gern an das offene Fenster und genieße ein paar Minuten frische Luft. Das ist mein Mittel um Energie zu tanken und weiterzumachen.

Wie brecht ihr aus dem Alltag aus?

Jana: Für mich bedeutet das Anderes zu tun, damit man nicht nur in der eigenen Suppe schwimmt und frische Impulse bekommt. Ansonsten habe ich ein altes Rennrad ersteigert und selbst wieder fit gemacht. Auszubrechen ist für mich auf das Rad zu steigen, raus aus der Stadt und lange Strecken zu fahren.

Narea: Ich erlebe diese Situationen des Ausbrechens meist nach einer Premiere. Bis zur Vorstellung ist man sehr beschäftigt mit den Proben und arbeitet konzentriert mit vielen Leuten zusammen. Wenn das dann vorbei ist, fühle ich erst einmal eine Art Leere. Auf einmal ist nichts mehr zu tun, weil man für die kommenden Vorstellungen schon vorbereitet ist. In diesen Momenten male ich gern, um mich zu entspannen. Ich habe ein Zeichenbuch für Einsteiger und kann mich gut drei bis vier Stunden damit beschäftigen. Das hilft mir, um meine Ruhe wiederzufinden.

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Neues oder Altes?

Jana: Wenn sich Altes nur darauf beruft, nichts zu ändern, weil es ja immer schon so war, dann geht es an den Bedürfnissen der Zeit und am Zeitgeist vorbei. Es muss aber nicht auf ein Entweder-oder hinauslaufen – solange der Bezug stimmt.

Narea: Altes! Heutzutage ist alles Neue oft mit viel Stress verbunden, das gefällt mir nicht. Ich habe zum Beispiel auch noch mein ganz altes iPhone, obwohl mir jeder rät, ich solle mir mal ein neues kaufen (lacht). Vor zwei Jahren war ich in New York: Alle um mich herum hatten ihr Smartphone in der Hand, waren in Eile und wirkten sehr gestresst. Ich habe mich plötzlich ganz verloren gefühlt in einer so modernen Stadt, zwischen diesen vielen Menschen und den Hochhäusern.

Reden oder Zuhören?

Narea: Zuhören! Mein Leben war bisher sehr routiniert und komplett auf das Singen ausgerichtet. Deshalb interessiere ich mich sehr für andere Menschen und ihre eigene Lebenswelt.

Jana: Als Dramaturgin gehört reden dazu. Da ist diplomatisches Feingefühl gefragt. Es geht eben nicht darum, den Anderen mit Argumenten platt zu walzen und sich am besten noch in Monologen zu gefallen, sodass alle im Raum längst abschalten. Damit es funktioniert, geht´s nicht ohne zuhören.

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Kimchi oder Grünkohl?

Narea: Kimchi natürlich! Kimchi ist sehr gesund und mit allem kombinierbar. Es ist eine sehr gute Beilage. Allerdings gehe ich lieber essen, als den Kohl selbst zu kochen. Insgesamt dauert die Zubereitung drei Tage. Trotzdem müsste ich es eigentlich mal selbst machen, ich habe ein sehr leckeres Rezept von meiner Großmutter.

Jana: Ich liebe den Norden und bin in Bremen aufgewachsen, aber wenn ich wählen kann, dann ist mein Wahlheimatessen Kimchi. Ich mag scharfes Essen – je schärfer desto besser.

Frage von Narea an Jana: In welchen Momenten bist du selbstironisch?

Jana: Skurrile Situationen gibt es im Alltag eigentlich sehr häufig. Gerade während der Arbeit am Theater, aber auch im privaten Leben. Dabei ist Selbstironie sehr wichtig. Sie bringt Leichtigkeit in die Ernsthaftigkeit, mit der man so häufig konfrontiert ist.

Frage von Jana an Narea: Ist es besser geliebt oder gefürchtet zu sein?

Narea: Definitiv geliebt! Ist es nicht einfacher, wenn man gemocht wird…?

 

Narea Son

© Kartal Karagedik

© Kartal Karagedik

Narea Son wurde 1990 in Südkorea geboren. Schon während des Studiums sang sie u.a. die Partien der „Mimi“ in „La Bohème“, „Donna Elvira“ in „Don Giovanni“, „Le Feu“, „La Princesse“ und „Le Rossignol“ in der Oper „L’enfant et les Sortilèges“, „Valencienne“ in „Die lustige Witwe“ und die „Königin der Nacht“. Erweiternd zu ihrem Studium nahm sie an verschiedenen Meisterklassen teil, u.a. bei Cheryl Studer, Mariella Devia, Bruna Baglioni, Edda Moser und Brigitte Fassbaender sowie Joyce DiDonato an der Carnegie Hall in New York. Seit der Spielzeit 2016/17 ist Narea Son Mitglied im Internationalen Opernstudio der Hamburgischen Staatsoper.

© Oper Wuppertal

© Oper Wuppertal

Jana Beckmann

Jana Beckmann ist 1984 in Bremen geboren. Sie studierte Dramaturgie an der HfMT Hamburg, Musik und Philosophie in Oldenburg sowie Angewandte Theaterwissenschaft/Choreographie in Buenos Aires. als Dramaturgin und Regisseurin an der Schnittstelle von Bildender Kunst, Choreographie und zeitgenössischer Musik war sie unter anderem für das Goethe Institut Buenos Aires, auf Kampnagel, am Tanzhaus Zürich und an der Staatsoper Berlin tätig. Seit der Spielzeit 2016/17 ist sie leitende Dramaturgin an der Oper Wuppertal.

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