Hummel Hummel – Mors Mors: Papageno trifft Papagena

Für die Sonderedition von Hummel Hummel – Mors Mors zur Neuproduktion „Erzittre, feiger Bösewicht!“ – dem Mozart-Happening für Jugendliche ab 12 Jahren – haben wir uns mit Zak Kariithi, unserem Papageno und Mitglied des Opernstudios, und Joycelyn Homadi-Sewor, Papagena und Mitglied bei The Young ClassX getroffen. Mit ihnen haben wir über die Vermittlung des Opern-Klassikers „Die Zauberflöte“ an junges Publikum, Pop-Musik und Singen unter der Dusche geschnackt.

Was macht die Produktion „Erzittre, feiger Bösewicht!“ für euch besonders?

Joycelyn Homadi-Sewor: Für mich ist das Besondere, dass überwiegend junge Menschen an der Produktion beteiligt sind. Wir wollen „Die Zauberflöte“ jüngerem Publikum nahe bringen und hoffen dadurch Menschen anzulocken, die vielleicht noch nie in der Oper waren. Außerdem gefällt mir natürlich, dass wir die Chance haben mit, professionellen Sängern zusammenzuarbeiten.

Zak Kariithi: Für mich ist besonders, was Johannes Harneit durch seine musikalische Bearbeitung aus der originalen „Zauberflöte“ von Mozart gemacht hat. Aus der Arie der Königin der Nacht wird in „Erzittre, feiger Bösewicht!“ zum Beispiel ein Duett – das finde ich super! Außerdem ist es auch toll mit The Young ClassX zusammenzuarbeiten. Wir haben im Stück dadurch neue Einflüsse, z.B. aus der Pop-Musik und statt nur einer plötzlich vier Papagenas.

Wann stand für euch fest, dass ihr singen wollt?

Joy: Bei mir hat das sehr früh begonnen: Mein Vater hat früher Musik gemacht und ich habe schon als Kind gern gesungen. Als ich neun Jahre alt war, habe ich beim Musical „König der Löwen“ als die junge Nala mitgemacht. Ich glaube, da habe ich das erste Mal darüber nachgedacht, vielleicht irgendwann mal professionell zu singen. Mit The Young ClassX ging es dann in der Schule los. Ich habe im Schulchor gesungen und bin von da aus später dann in das Solistenensemble gekommen.

Zak: Ich habe schon immer gesungen. Als ich noch in Kenia gelebt habe, war ich in verschiedenen Chören. Mein Vater arbeitete in seiner Freizeit als Chorleiter und hat mich immer dazu gebracht, in Chören zu singen. Zur Musik bin ich ursprünglich durch das Klavierspielen gekommen. Danach lernte ich Geige. Aber ich habe einfach irgendwann gemerkt, dass mir das Singen am meisten Spaß macht. Erst sehr spät, als ich 21 Jahre alt war, habe ich meinen ersten Gesangsunterricht genommen. Der Grundstein für meine Musikbegeisterung wurde also schon in meiner Kindheit gelegt, aber ich hab mich erst spät für eine professionelle Musikkarriere entschieden.

Habt ihr schon mal heimlich unter der Dusche die Arie der Königin der Nacht geübt?

Joy: Insgeheim schon… Aber ich würde nicht wollen, dass mich jemand dabei hört! Generell singe ich unter der Dusche nur sehr selten. Vielleicht hat das mit meinen Eltern oder ghanaischem Aberglauben zu tun (lacht). Also wahrscheinlich singe ich nur unter der Dusche, wenn ich allein zu Hause bin und auch dann nur sehr leise.

Zak: Natürlich habe ich die Arie mal geträllert! Ich glaube, das hat jeder schon gemacht (lacht). Die Melodie ist so eingängig, dass man es einfach ausprobieren muss. Aber natürlich nur zum Spaß. Zum Aufwärmen ist Singen unter der Dusche ideal. Die Luft ist perfekt dafür.

Klassik oder Pop-Musik?

Zak: Natürlich Klassik! Ich liebe klassische Musik. Sie berührt mich auf eine Art und Weise, wie keine andere. Das ist gar nicht so typisch, wenn man aus Kenia kommt. Diese Kultur der klassischen Musik gibt es dort nur selten. Aber für mich war sie schon immer besonders. Als Kind habe ich Händels „Messiah“ gehört und war beeindruckt – es hat mich einfach berührt. Aber privat höre ich auch ständig Pop-Musik!

Joy: Ich nehme natürlich Pop (lacht)! Aber komplett entscheiden kann ich mich nicht. Es fällt mir schwer, weil ich mich mit Klassik einfach noch nicht so richtig auseinandergesetzt habe. Aber es ist nicht so, dass ich keine klassische Musik höre. Ich würde mich wahrscheinlich für Pop entscheiden, aber habe auch absolut nichts gegen Klassik.

Tamino oder Papageno?

Joy: Papageno! Wen sollte ich denn als Papagena sonst wählen? Es würde für mich einfach keinen Sinn machen, mich für Tamino zu entscheiden. Aber auch wenn ich mir die Charaktere anschaue, ist Papageno eher jemand, mit dem ich chillen würde als Tamino. Er ist einfach entspannter und witziger.

Zak: Ja, auf jeden Fall Papageno – und nicht nur weil ich ihn singe. Ich glaube, dass er meinem Charakter im echten Leben näher kommt. Er ist aber nicht nur der lustige, entspannte Typ, sondern hat gleichzeitig einen komplexen Charakter, was ihn auch zu einer sehr interessanten Figur des Stücks macht. Trotzdem würde ich gerne mal Taminos Arien singen (lacht). Ich muss sagen, dass seine Partie musikalisch schöner und anspruchsvoller ist. Das liegt vor allem daran, dass Papageno ursprünglich für einen Schauspieler geschrieben wurde und nicht für einen Sänger. Also, nach unten transponiert würde ich ihn sofort singen (lacht).

Kiez oder Blankenese?

Zak: Kiez! Da ist mehr los. In Blankenese kann man sich an die Elbe setzen und ein Buch lesen, aber es ist eben auch sehr ruhig. Als junger Mensch entscheide ich mich für den Kiez.

Joy: Ich bin mir nicht sicher, ob ich mich in Blankenese wohlfühlen würde, aber auf dem Kiez ist es so laut und dreckig. Wenn ich wählen müsste, würde ich glaube ich eher Blankenese nehmen.

Frage von Joy an Zak: Wieso hast du dir Hamburg als Stadt zum Arbeiten ausgesucht? Hat sich das einfach so ergeben oder hast du dich bewusst dafür entschieden?

Zak: Ich bin für mein Studium an der Hochschule für Musik und Theater Hamburg hergekommen. Ich habe gehört, dass es eine gute Lehrerin gibt, die dort unterrichtet. Dann gab es ein Vorsingen für das Internationale Opernstudio an der Staatsoper und glücklicherweise wurde ich ausgewählt und bin auch hier geblieben (lacht).

Frage von Zak an Joy: Wie ist es für dich, Pop-Musik zu machen?

Joy: Das ist eine gute Frage! Ich habe nie darüber nachgedacht, wie es sich für mich anfühlt, zu singen. Ehrlich gesagt, bin ich ein bisschen schüchterner, als man denkt, weil ich nicht oft vor Leuten singe. Nach „König der Löwen“ war erst einmal Pause, aber es fühlte sich leer an, nach zwei Jahren plötzlich nicht mehr zu singen, wieder ein normales Leben zu führen und zur Schule zu gehen. Ich hatte zwar nicht komplett aufgehört zu singen, aber es fühlte sich nicht mehr so einfach an wie vorher. Jetzt bei The Young ClassX hat sich das wieder verändert. Singen ist für mich einfach eine Leidenschaft, die ich noch lange ausüben möchte.

 

Joycelyn Homadi

Joy_PortraitJoycelyn Homadi-Sewor studiert Kulturwissenschaften an der Leuphana Universität Lüneburg. Sie wurde in Hamburg geboren, ihre Wurzeln liegen in Ghana. Mit 9 Jahren konnte sie beim Musical „Der König der Löwen“ in der Rolle der jungen Nala erste Bühnenerfahrung sammeln. Joycelyn Homadi-Sewor ist Mitglied im Solistenensemble von The Young ClassX.

 

Zak Kariithi

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© Kartal Karagedik

Zak Kariithi wurde in Nairobi, Kenya geboren und begann im Alter von 12 Jahren seine musikalische Laufbahn mit Klavierunterricht. Nach der Schule begann er sein Studium für Klavier und Gesang, welches er erfolgreich und mit Auszeichnung abschloss. Als Repräsentant für sein Land Kenia war er 2008 an der „Youth Choir Session“. Von 2008 bis 2013 war er Student und Stipendiat der „Buchmann Mehta School of Music“, der „Tel Aviv University Israel“, ebenso Stipendiat des „Adler-Buchmann International Programm für herausragende ausländische Studenten“.

Als Solist arbeitete er mit dem Buchmann Mehta School of Music Symphony Orchestra, dem Israeli Philharmonic Orchestra sowie dem Haifa Symphony Orchestra und war in der Carnegie Hall in New York unter der Leitung von Prof. Zeev Dorman zu hören.Von 2013 bis 2015 absolvierte Zak den Masterstudiengang Oper an der Hochschule für Musik und Theater Hamburg. Während dieser Zeit war er Stipendiat der Hamel Stiftung Hannover und erhielt das Milena Ebel-Stipendium. Seit der Spielzeit 2015/16 ist Zak Kariithi Mitglied im Internationalen Opernstudio der Staatsoper Hamburg.