Hummel Hummel – Mors Mors: Salome trifft Poststelle

In unserer Salome-Inszenierung muss die Titelrolle innerhalb des Bühnenbildes viele Treppen hoch und wieder hinunter steigen. Wir haben unsere Salome, die Sopranistin Allison Oakes, mit der Person aus dem Opernhaus zusammengeführt, die im Arbeitsalltag auch jede Menge Treppen steigt: dem Leiter der Poststelle und des Materiallagers, Knut Kersten.

Wann hast du die Hamburgische Staatsoper das erste Mal betreten?

Allison Oakes: Erst vor kurzem, genauer gesagt am 30. Oktober 2016, für meine erste Probe zu „Salome“. Ich war zwar vorher schon in Hamburg, aber noch nie in der Staatsoper und gebe hier damit mein Debüt.

Knut Kersten: Das erste Mal war ich 1992 als Besucher in der Staatsoper, das muss im Alter von zehn Jahren gewesen sein. Da war ich bei „On the town“. Später habe ich meine Ausbildung im Rechenzentrum der Staatstheater gemacht und davor ein Schulpraktikum in der EDV in der zehnten Klasse. Das war im Jahr 1996.

Mit welchem Beruf an der Oper könntest du dir vorstellen einen Tag zu tauschen?

Allison: Mit dem Inspizienten – ich mag es, die Kontrolle zu übernehmen. Ich habe gerne Kontrolle über meine eigene Kunst, meinen Gesang. Und ich bin eben jemand, der genau wissen will, wie etwas abläuft, damit möglichst nichts falsch laufen kann. Und der Inspizient hat das allsehende Auge.

Knut: Ich würde eher mit einem Beruf im handwerklichen Bereich tauschen wollen, vielleicht mit dem Tischler. Zuhause bastle ich auch ganz gerne. Auf keinen Fall würde ich aber mit einem Sänger tauschen wollen! (lacht) Immer wenn ich anfange zu singen, halten sich alle die Ohren zu und sagen, dass ich aufhören soll. Es reicht nicht mal für den Gesang unter der Dusche…

Die Salome trägt in der Inszenierung von Willy Decker eine Glatze. Wie fühlt sich so eine Kunst-Glatze an? Könntet ihr euch vorstellen privat eine Glatze zu tragen?

Allison: Es ist heiß und ziemlich nass da drunter. Man schwitzt und der Schweiß sammelt sich unter der Kunst-Glatze. Außerdem kann man die Stirn nicht mehr bewegen, sie ist wie glatt gezogen.

Knut: Wie bei Botox?

Allison: Ja, vermutlich! (lacht) Man kann die Stirn nicht wirklich runzeln, das ist merkwürdig. Ich hatte ein bisschen Angst, dass es etwas an meinem Gesang verändern könnte, hat es aber zum Glück nicht. Und privat könnte ich mir niemals vorstellen, meine Haare abzurasieren. Ich habe lange, dicke Haare und könnte mich nie von ihnen trennen. Nein. Nein. Nein.

Knut: Ich habe auch schon einmal die Erfahrung gemacht, wie es ist, eine künstliche Glatze zu tragen. Ich war einmal Modell für einen Masken-Azubi bei seiner Abschlussprüfung – er hat mich als Totenkopf geschminkt. Erblich bedingt werde ich das Thema nicht mehr so lange vor mir herschieben können. Ich bin froh, solange ich meine Haare noch habe. Also nein, ich möchte keine Glatze haben!

Berlin oder Hamburg?

Allison: Berlin! Da ist das Wetter doch etwas besser als in Hamburg. Hier ist das Wetter genauso wie in meiner Heimat England. Und ich habe noch einen Grund, warum ich in Berlin bleiben möchte: meinen Kater. Ich glaube, er ist zufrieden dort. Aber Hamburg mag ich auch total. Es ist sehr hübsch.

Knut: Hamburg! Meine Mutter kommt zwar aus Berlin und ich war gerade Anfang des Jahres wieder dort, aber die Stadt ist mir zu groß. Hamburg ist kleiner und ich weiß, wo was ist. Berlin ist schön, aber hier ist es gemütlicher zu Wohnen.

Früh aufstehen oder lange schlafen?

Allison: Früh aufstehen: Mein Körper will das so. Abends um elf ist der Tag für mich gelaufen und um sechs oder sieben stehe ich wieder auf. Das ist einfach meine innere Uhr, das entscheide ich nicht bewusst. Meine Gesangsproben waren auch immer um 9.00 Uhr früh, ich mag Vormittagsproben sehr gerne.

Knut: Als Vater von zwei kleinen Kindern steht Ausschlafen gar nicht zur Debatte. Trotzdem nutze ich den Abend: Zum Beispiel bin ich gestern erst um halb zwei ins Bett gegangen, bin aber trotzdem um sechs wieder aufgestanden.

Allison: Wenn ich erst um halb zwei ins Bett gehe, funktioniert meine Stimme am nächsten Tag nicht so gut. Die Stimme muss ruhen. Wenn ich spät ins Bett gehe, merke ich am nächsten Tag, dass die Stimme nicht so ist, wie ich sie gerne hätte.

Brief oder E-Mail?

Allison: Ich mag Briefe lieber. Immer wenn ich im Urlaub bin, oder auch wenn ich bedingt durch meinen Beruf die Welt bereise, schicke ich Postkarten. E-Mails sind natürlich super praktisch, doch Briefe sind so persönlich und liebevoll.

Knut: E-Mail! Ich bin mit Internet und Computer aufgewachsen und man kann meine Handschrift auch gar nicht gut lesen, zu tippen ist viel einfacher. Auf eine E-Mail muss ich auch keine Briefmarke draufkleben und brauche keinen Umschlag.

Allison: Aber es gibt so hübsche Briefmarken!

Knut: Ja, das stimmt – aber eine E-Mail ist viel schneller verschickt und man kann rückwirkend nochmal schauen, was man geschrieben hat.

Frage von Knut an Allison: Wie merkt man, dass man singen kann und wie bist du dazu gekommen?

Allison: Ich habe immer – seitdem ich ganz jung bin – auf der Bühne gestanden, anfangs aber als Tänzerin. Ich hatte Tanzunterricht, seitdem ich 3 Jahre alt war. Dadurch bin ich zum Musical gekommen. Eines Tages ist eine Sängerin mit einer kleinen Partie ausgefallen und es wurde gefragt, ob jemand einspringen will. Da meinte jemand zu mir, dass ich eine gute Stimme hätte und das machen solle. Ich habe mich daraufhin gemeldet und ab da an hat man mir immer wieder gesagt: „Du hast eine echt schöne Stimme, du solltest das trainieren.“ Ich wollte das zuerst nicht, denn ich wollte Tänzerin werden. Als ich aber einen ganz schlimmen Beinbruch erlitt, war Schluss mit einer professionellen Tanzkarriere. Da ich aber unbedingt auf der Bühne stehen wollte, habe ich mir gesagt: „Was soll´s, dann nehme ich eben Gesangsunterricht.“ So ist das gelaufen…

Frage von Allison an Knut: Obwohl du ja gesagt hast, dass du nicht singen kannst: Für welches Stimmfach würdest du dich entscheiden?

Knut: Also wenn ich singe, dann wird es immer sehr hoch…

Allison: Oh, Tenöre sind rar, also vielleicht…?

Knut: Vielleicht schlummert da ja noch etwas in mir!

Allison: Ich gebe gerne Unterricht. (lacht)

 

Allison Oakes
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Allison Oakes studierte Gesang an der Hochschule für Musik Franz Liszt in Weimar bei Frau Prof. Gudrun Fischer. Direkt nach ihrem Studium wurde Allison Oakes von 2006 bis 2009 als festes Ensemblemitglied an das Staatstheater Darmstadt engagiert. Seit der Spielzeit 2009/2010 gastierte die in Berlin lebende freischaffende Sopranistin u.a. am Teatro La Fenice di Venezia, an der Deutschen Oper Berlin, Theater Dortmund, an der Boston Lyric Oper, am Theater Basel, am Theater St. Gallen, am Tiroler Landestheater Innsbruck, am Konzert-Theater Bern und der Opéra de Dijon.

Im Sommer 2013 debütierte Allison Oakes mit Gerhilde in „Die Walküre“ und Gutrune in „Götterdämmerung“ unter dem Dirigat von Maestro Kirill Petrenko in der neuen Ring-Inszenierung von Frank Castorf bei den Bayreuther Festspielen. 2014 und 2015 war sie sowohl mit den vorigen Partien als auch mit der Partie der Freia (Rheingold) wieder dabei. In der Spielzeit 2016/17 gibt sie ihr Hamburg-Debut an der Dammtorstraße mit der Partie der Salome.

Knut Kersten
knut-kerstenKnut Kersten ist Leiter der Poststelle der Hamburgischen Staatsoper und wurde 1982 in Hamburg geboren. Schon früh hatte er einen Bezug zur Bühne und zur Schauspielbranche, da sein Vater Maschinenmeister am Thalia Theater war.

In der zehnten Klasse absolvierte er ein Praktikum im Rechenzentrum der Hamburger Staatstheater. Dort absolvierte er später seine Ausbildung zum Fachinformatiker für System-Integration. Nach Abschluss kam er an die Hamburgische Staatsoper und war dort für die Verwaltung von Büromaterial und die Hausdruckerei zuständig. Im Jahre 2014 übernahm er zusätzlich die Leitung der hauseigenen Poststelle.

Knut Kersten ist seit 2012 verheiratet und hat zwei Kinder.

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