Hummel Hummel – Mors Mors: Tamino trifft Chefmaskenbildnerin

Sie lässt ihn, gemeinsam mit ihrem Team um Jahrzehnte altern, während er sich als Tamino in unserer „Zauberflöte“ auf die gefährliche Suche nach seiner Liebsten Pamina macht: Wir haben Chefmaskenbildnerin Linda Wilsmann und Tenor und Ensemblemitglied Dovlet Nurgeldiyev zum Gespräch getroffen.

Was macht für euch den Zauber der „Zauberflöte“ aus?

Linda Wilsmann: Ich finde die Liebesgeschichte zwischen Tamino und Pamina wunderschön und spannend. Die Liebe und die Kräfte der Energien machen für mich den Zauber der Geschichte aus. Die beiden begegnen sich zum richtigen Zeitpunkt und verlieben sich. Leider verlieren sie sich auch, aber die Liebe hält über all die Jahre an und das Universum hilft Ihnen, sich wieder zu begegnen. Es ist ein Märchen und spiegelt sogleich das wahre Leben wieder.

Dovlet Nurgeldiyev: Absolut, der Zauber der Liebe! Außerdem finde ich die Musik von Mozart einfach unglaublich. Ich habe in dieser Inszenierung mein Debut als Tamino gegeben und freue mich sehr darüber. Mir gefällt die Inszenierung von Jette Steckel sehr gut. Es gibt ein paar Besonderheiten, zum Beispiel trifft Tamino Pamina erst, als er ein alter Mann ist, wieder. Ich genieße diesen Moment auf der Bühne immer so sehr und hoffe, ich werde Tamino noch oft singen können.

Habt ihr eine Lieblingsoper?

Dovlet: Das ist eine schwere Frage für einen Sänger. Jeder Komponist hat einen anderen Stil: Mozarts Stücke sind Balsam für die Stimme, ebenso wie Verdis und Donizettis. „Otello ist momentan meine Lieblingsoper und in fünfzehn oder zwanzig Jahren möchte ich gerne die Titelpartie singen. Es braucht noch etwas Zeit, denn das ist die schwerste Partie für Tenöre.

Linda: Ja, das ist nicht leicht zu beantworten, aber mir fällt sofort „Madama Butterfly ein, diese gewaltige und gleichzeitig feinsinnig, zarte Musik zusammen mit der Zerbrechlichkeit der Titelrolle. Eine Musik für das Herz. Ich finde unsere moderne Inszenierung und Ausstattung hier am Haus großartig.

Welche Wirkung kann Make-up haben?

Linda: Ich sehe Make-up als eine Unterstützung für die Sänger, sich in ihre Rolle einzufinden und künstlerisch neue Ansätze und Interpretationen zu geben. Der Darsteller sollte sich damit wohl fühlen und eine Chance haben sich daran zu gewöhnen. Bei dem Alterungsprozess von Tamino in unserer Zauberflöten-Inszenierung haben wir darauf sehr geachtet. Es ist natürlich eine große Herausforderung, jemanden älter werden zu lassen, vor allem über verschiedene Etappen hinweg. Da jubiliert jedes Maskenbildner-Herz!

Dovlet: Make-up hilft uns Sängern sehr. Wenn ich weiß, dass meine „Maske“ professionell und gut aussieht, dann fühle ich mich sicher auf der Bühne. Die künstlichen Teile, die ich als Tamino in der Inszenierung im Gesicht trage, wenn ich altere, sind elastisch und bewegen sich mit meiner Mimik – aber sie stören mich nicht beim Singen, das ist wichtig.

Linda: Die „Maske“ ist bei Sängern ein sehr sensibles Thema, da sie auf keinen Fall beim Singen stören darf. Es ist mir sehr wichtig, gemeinsam einen Weg mit den Künstlern zu finden. Deshalb freut es mich umso mehr, dass wir ein angenehmes Tragegefühl für dich schaffen konnten.

Dovlet Nurgeldiyev und Linda Wilsmann

Ensemblemitglied Dovlet Nurgeldiyev und Chefmaskenbildnerin Linda Wilsmann

Tamino oder Papageno?

Dovlet: Papageno ist klarer Publikumsliebling, seine Melodien sind einfacher zu singen, eingängiger und jeder kann mitsingen. Tamino dagegen ist ein Prinz, ein Edelmann. Ich mag Tamino sehr und mir gefällt die herausfordernde Partie. Wenn ich wählen müsste, würde ich Tamino wählen – ich bin auch privat sehr romantisch.

Linda: Beide. An Tamino mag ich diese Wärme und Feinfühligkeit. Er folgt seinem Herzen. Dovlet ist die perfekte Besetzung für diese Rolle. Tamino steht für das Bodenständige, das Substantielle. Papageno eher für die Leichtigkeit. Wenn man es auf das Leben überträgt, sind beide Rollen wichtig und ohne das Eine gäbe es das Andere nicht: Einerseits sollte man niemals die Leichtigkeit im Leben verlieren, andererseits das Existentielle, das worum es wirklich geht, nämlich die Liebe und seinen eigenen Weg zu finden und zu suchen, nicht verlieren.

Weihnachtsmarktgetümmel oder besinnliches Lümmeln auf dem Sofa?

Linda: Besinnliches Lümmeln auf dem Sofa. Zur Einstimmung auf Weihnachten gehe ich auch gerne mal mit meinen Liebsten auf den Weihnachtsmarkt. Ich suche mir dann aber Tage aus, an denen nicht so viel los ist.

Dovlet: Bei mir ist das auch so. Ich arbeite sehr viel und studiere meine Rollen. Wenn ich in einer aktuellen Produktion singe, studiere ich teilweise schon für die nächste und übernächste Produktion. Deshalb ist es mir wichtig, auch mal die Ruhe Zuhause zu genießen, zusammen mit meiner Familie und meinen Freunden.

Hamburg im Sommer oder Winter?

Linda: Im Sommer, wenn er da ist. Aber ich finde, wir haben auch hier in Norddeutschland einen schönen Sommer.

Dovlet: Absolut. Im Sommer ist es hier manchmal schwierig mit dem Sonnenschein, aber man muss einfach positiv bleiben.

Frage von Linda an Dovlet: Kannst du dir ein Leben ohne Gesang vorstellen?

Dovlet: Ein Leben ohne Gesang? Nein, das geht nicht, das ist die ganze Welt für mich. Ich liebe es und ich vermisse es, wenn ich nicht singen kann. Wenn ich singe, verleihe ich meinen Gefühlen Ausdruck, es kommt direkt aus dem Herzen. Für mich ist das etwas Magisches und nur schwer zu beschreiben.

Frage von Dovlet an Linda: Wie kamst du auf die Idee Maskenbildnerin zu werden?

Linda: Ich bin in einer Theater und kunstversierten Familie groß geworden. Mein Vater ist Architekt, mein Opa war Maler und Karikaturenzeichner, dadurch habe ich früh Berührungspunkte mit Zeichnungen und künstlerischen Veränderungen gehabt. Meinen ersten Berührungspunkt mit dem Theater hatte ich mit meiner Oma. Sie ist in Münster gerne ins Theater gegangen, hatte ein Abo und liebte die Oper. Als ich acht Jahre alt war, gab es dort einen Tag der offenen Tür und ich durfte das Orchester dirigieren.

Als ich 16 Jahre alt war, war mir klar, dass ich Maskenbildnerin werden möchte. Das war wie eine Eingebung. Nach dem klassischen Weg der Friseurausbildung, habe ich die Ausbildung zur Maskenbildnerin am Theater machen können. Mich fasziniert einerseits das Handwerk, Perücken, Masken und Special Effects herzustellen, und abends nah an der Aufführung einer Vorstellung beteiligt zu sein, die Sänger zu schminken und Theaterluft zu schnuppern und andererseits so nah mit Menschen zu arbeiten und an den künstlerischen Entscheidungen beteiligt zu sein. Es hat mich immer gereizt, Verwandlung zu schaffen, das macht für mich den Zauber an diesem Beruf aus.

 

Linda Wilsmann Linda Wilsmann
Die Chefmaskenbildnerin der Hamburgischen Staatsoper Linda Wilsmann wurde in Münster geboren und wuchs in Nordrhein-Westfalen auf, wo sie bereits in jungen Jahren erste Theatererfahrungen an der Seite ihrer Familie sammelte. Kleineren Auftritten folgten schnell gemeinsame Opernbesuche mit ihrer Großmutter sowie regelmäßige Abstecher in die Zirkus- und Theaterwelt. Eine kulturelle Bandbreite, die sich bis heute durch ihren Lebenslauf zieht: So arbeitete sie zunächst am Theater sowohl klassisch im Schauspiel, als auch an Mehrspartenhäusern mit Oper, Tanztheater, Schauspiel und Jugend- und Kindertheater. Es folgte ein zweijähriger Ausflug zu Film und Fernsehen als freischaffende Maskenbildnerin, ehe Linda Wilsmann 2012 als stellvertretende Chefmaskenbildnerin an die Hamburgische Staatsoper kam. Seit der letzten Spielzeit ist sie hier als Chefmaskenbildnerin tätig.


nurgeldiyev-dovlet-4Dovlet Nurgeldiyev

Dovlet Nurgeldiyev begann seine Gesangsausbildung in seinem Heimatland Turkmenistan und setzte sein Studium von 2001 bis 2005 in den Niederlanden am Konservatorium in Tilburg fort. Im September 2006 wurde der Tenor am Königlichen Konservatorium Den Haag aufgenommen, wo er sowohl seinen Bachelor als auch Master machte. Im September 2008 wurde er Mitglied des Internationalen Opernstudios der Staatsoper Hamburg, wo er ein umjubeltes Europadebüt als Fenton in Verdis „Falstaff“ gab.

Seit der Spielzeit 2010 gehört Dovlet Nurgeldiyev zum Ensemble der Hamburgischen Staatsoper, wo er für seine Debüts als Alfredo in „La Traviata“, als Lensky in „Eugen Onegin“ und zuletzt als Tamino in „Die Zauberflöte“ bejubelt wurde und mit seinen Rollen als Nemorino in Donizettis „L’Elisir d’Amore“, Ferrando in Mozarts „Cosi fan tutt“ und als Vladimir Igorevich in „Prinz Igor“ große Erfolge feierte. Ende der Spielzeit 2015/16 gab Dovlet Nurgeldiyev sein umjubeltes Debüt an der Bayerischen Staatsoper mit der Partie des Alfredo (La Traviata). Zukünftige Engagements der Spielzeit 2016/17 führen ihn unter anderem an die Polnische Nationaloper als Lenski (Eugen Onegin).