Hummel Hummel – Mors Mors: Violine trifft Bühnenpforte

Dieses Mal haben wir uns für Hummel Hummel – Mors Mors mit Olaf Schoop, Bühnenpförtner an der Hamburgischen Staatsoper und Veronika Eberle, Violinistin in unserer Lulu-Inszenierung getroffen. Mit ihnen haben wir über ihren Weg zur Klassik, Lieblingsorte in der Oper und Schlafgewohnheiten gesprochen.

Wie seid ihr zur Klassik bzw. an die Oper gekommen?

Veronika Eberle: Die Klassik habe ich durch die Geige entdeckt. Ich habe mit sechs Jahren zu spielen begonnen – durch eine Freundin, die Geige spielte – und die Violine hat mich gleich ungemein fasziniert. Sie ist der menschlichen Stimme sehr nah und man hat wahnsinnig viele Möglichkeiten, sich damit auszudrücken. Ich habe damit meine Sprache gefunden. Lulu ist für mich die erste Opernproduktion, in der ich mitwirke und es ist für mich sehr bereichernd und eine wunderbare Herausforderung. Es ist eher selten, dass ein Instrumentalist auf der Bühne in die Oper integriert wird: Wo laufe ich wann hin und die Schauspieltechniken – das ist alles ganz neu für mich. Ich finde es aber so spannend und habe richtig Spaß daran gefunden.

Olaf Schoop: Ich bin durch meinen Bruder zur Hamburgischen Staatsoper gekommen, der ehemaliger Vorderhausleiter war. 2001 habe ich dann hier als Bühnenpförtner angefangen. Da ich in Hamburg aufgewachsen bin, war ich aber auch schon zuvor als Zuschauer in diesem Haus zu Gast.

Welche Künstler, mit denen ihr zusammen gearbeitet habt, haben euch am meisten beeindruckt?

Veronika Eberle: Als Solistin arbeitet man mit vielen verschiedenen Orchestern und Dirigenten zusammen. Eine Zusammenarbeit, die für mich sehr fruchtbar und bereichernd war, war die mit Sir Simon Rattle. Für mich drückt er musikalisch, als Dirigent und auch als Mensch so viel aus, alleine durch seine Art Musik zu sehen und zu lesen. Eine andere wunderbare Begegnung, die mich sehr inspiriert hat, war die mit Heinz Holliger. Heinz ist ein wandelndes Lexikon: Man hat einen Gedanken zu egal welchem Thema – sei es Musik oder etwas völlig anderes – und er kann dir ganze Geschichten dazu erzählen. Aber auch die Zusammenarbeit mit Maestro Nagano ist für mich sehr spannend. Ihn durfte ich vor zwei Jahren in Montreal mit seinem Orchester kennenlernen, als wir das Mendelssohn-Violinkonzert gespielt haben – das war für mich wie „Liebe auf den ersten Klang“. Ich bin glücklich, dass ich zu dieser Produktion eingeladen wurde. Anne Sofie von Otter und Barbara Hannigan kennenzulernen und mit ihnen zu arbeiten, ist toll. Zwei so unterschiedliche Frauen, so stark und strahlend in ihrer Persönlichkeit, da kann man viel mitnehmen!

Olaf Schoop: Mein Kontakt zu den Künstlern an der Pforte ist natürlich anderer Natur als bei einer musikalischen Zusammenarbeit während der Proben. Ich freue mich immer, wenn ich die Künstler sehe und sie wiederkommen, aber man hat nicht über längere Zeit miteinander zu tun. Mit der finnischen Opernsängerin Camilla Nylund bin ich befreundet. Sie hat hier mal gesungen und wir sehen uns immer mal wieder zwischendurch. Und klar hält man auch schon mal ein kleines Schwätzchen mit den Künstlern oder geht Kaffeetrinken. Viele kommen auch mehrmals wieder ans Haus, da kennt man sich schon etwas und freut sich, wenn man sich wieder sieht. Viele Namen kann ich mir aber leider gar nicht merken, ich erkenne die Menschen eher an ihren Gesichtern.

Veronika Eberle in "Lulu"

© Monika Rittershaus

Was ist euer Lieblingsort in der Oper?

Veronika Eberle: Selbst wenn ich mit Opernorchestern spiele, sehe ich die ganzen Räume hinter der Bühne nicht. Ich bin normalerweise nur im Damensolo und auf der Konzertbühne. Dadurch, dass ich jetzt in die Inszenierung eingebunden bin, lerne ich ganz neue Orte kennen. Gestern durfte ich zum Beispiel dank Olaf den Ballettsaal sehen. Ich war ganz fasziniert.

Olaf Schoop: Ich kenne die ganze Oper, am liebsten bin ich aber bei den Vorführungen als Zuschauer im Saal – bei Oper oder Ballett. Am liebsten in Loge 3 – da ist es am schönsten, weil man niemanden vor sich und einen guten Blick auf die Bühne und in den Orchestergraben hat. Außerdem haben die vorderen Sitzreihen höhere Lehnen – da kann man gut den Kopf anlehnen.

Oper oder Konzert?

Veronika Eberle: Beides! (lacht)

Olaf Schoop: Bei mir ist es eher die Oper, weil ich das ganze Drumherum, das Bühnenbild und die Kostüme sehr gerne mag. Konzerte mag ich natürlich auch, aber Opern einen Tick mehr.

Veronika Eberle: Ich selbst gehe auch gern in die Oper. Oper an sich ist musikalisch gesehen übrigens gar nicht so weit vom Konzert entfernt: In einem Violinkonzert wird genau wie in der Oper eine Geschichte erzählt, auch wenn sie nicht ausgesprochen wird und erst einmal nur hintergründig nachzuvollziehen ist. Bergs Violinkonzert erzählt zum Beispiel eine sehr klare Geschichte, es ist sehr plakativ geschrieben und beinhaltet auch viel Schauspiel. Von Mozarts Charaktere aus seinen Opern findet man auch viele in seinen Konzerten wieder. Man kann die Musik von Oper und Konzert also nicht voneinander trennen.

Morgenmensch oder Nachteule?

Veronika Eberle: Ganz eindeutig Nachteule. (lacht)

Olaf Schoop: Bei mir ist es genau umgekehrt, ich bin eher ein Morgenmensch.

Veronika Eberle: Wann stehen Sie immer auf?

Olaf Schoop: Das ist unterschiedlich, weil wir in Wechselschichten arbeiten. Meist gegen acht oder neun. Die Frühschicht beginnt um sechs, da stehe ich so um viertel vor fünf auf, die Spätschicht beginnt um halb zwei. Daran gewöhnt man sich aber – und man hat noch ein bisschen mehr vom Tag! Nach vier Tagen Frühschicht habe ich zwei Tage frei, dann folgen wieder vier Tage Spätdienst, immer im Wechsel.

Veronika Eberle: Viertel vor fünf, hm? Da habe ich gerade zwei Stündchen geschlafen… (lacht)

Norden oder Süden?

Olaf Schoop: Für mich ganz klar der Süden. Ich bin in Leipzig geboren, aber mit fünf Jahren nach Hamburg gezogen und fühle mich zwar als Norddeutscher, aber allein der Sonne wegen mag ich den Süden lieber. Hier gibt’s zwar Nord- und Ostsee, aber Urlaub mache ich lieber da, wo es eine größere Sonnengarantie gibt.

Veronika Eberle: Auf jeden Fall der Süden, sowohl im Mikro- als auch im Makrokosmos. Obwohl es in der Probenzeit zwischen Weihnachten und Neujahr in Hamburg ein paar Sonnentage gab! Meine Familie war da, wir waren in Blankenese und da fühlte man sich wirklich wie am Meer. Auch Menschen können einem die Sonne ins Gesicht zaubern. Ich muss sagen, dass es sehr schön ist, einen so herzlichen Pförtner zu haben. Man kommt an, halb verschlafen und hört erst einmal ein freundliches „Guten Morgen“ – so kann der Tag beginnen.

Olaf Schoop an Veronika Eberle: Mich würde interessieren, welche Hobbies Sie noch neben Ihren Arbeitszeiten und der ganzen Reiserei haben. Wie sieht Ihr Leben neben der Musik aus?

Veronika Eberle: Die Musik ist für mich kein Beruf an sich, sondern eine Lebenseinstellung. Man kann nicht sagen „So jetzt ist Wochenende, abschalten und weg“, aber Zeit außerhalb der Musik ist mir wichtig. Im Sommer nehme ich mir immer zwei Wochen ganz ohne Geige. Ich lese wahnsinnig viel und lege Wert darauf, Zeit für meine Familie und meinen Freund zu finden. Um Kraft zu tanken, gehe ich gerne in die Natur. Sonst interessieren mich auch Museen und Kino sehr.

Veronika Eberle an Olaf Schoop: Was ist das Spannendste an Ihrem Beruf? Zicken Künstler auch manchmal rum?

Olaf Schoop: Sowas kommt auch vor, aber das Spannendste ist der Kontakt zu den Menschen. Ich habe mit den unterschiedlichsten Persönlichkeiten zu tun – Sängern, Musikern, dem Kinderchor oder Statisten – und das geht von acht Jahren bis ins hohe Alter. Der Mix macht es für mich aus.

Veronika Eberle: Und was machen Sie außerhalb der Oper?

Olaf Schoop: Ich bin auch gerne in der Natur oder am Wasser. Ab und an fahre ich Fahrrad oder spiele Tennis – und ich lese auch gerne!

 

Veronika Eberle Eberle Veronika
Veronika Eberle wurde in Donauwörth, Süddeutschland geboren, wo sie im Alter von sechs Jahren mit ersten Unterrichtsstunden an der Violine begann. Sie erlangte 2006 weltweite Aufmerksamkeit, als Sir Simon Rattle sie im Alter von erst 16 Jahren dem ausverkauften Salzburger Festspielhaus vorstellte, wo sie im Rahmen der Osterfestspiele gemeinsam mit den Berliner Philharmonikern Beethovens Violinkonzert spielte. Zu bedeutenden Zusammenarbeiten mit Orchestern und Dirigenten zählen seitdem die Londoner Symphoniker (Rattle), Concertgebouw Orchester (Holliger), New Yorker Philharmoniker (Gilbert), Montreal Symphoniker (Nagano), Münchener Philharmoniker, Gewandhaus Orchester (Langree), Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin (Janowski), hr-Sinfonieorchester (P. Järvi), Bamberger Symphoniker (Ticciati, Nott), Tonhalle-Orchester Zürich (M. Sanderling), NHK Symphoniker (Kout, Stenz, Norrington) und die Rotterdamer Philharmoniker (Rattle, Gaffigan, Nézet-Seguin). Dank einer großzügigen Leihgabe der Nippon Music Foundation spielt Veronika Eberle die Stradivari „Dragonetti“ (1700).

Olaf_PortraitOlaf Schoop
Olaf Schoop wurde in Leipzig geboren und wuchs in Hamburg auf. Er war Leiter einer Automatenaufstellung, ehe er 2001 als Bühnenpförtner an die Hamburgische Staatsoper kam. Seither begrüßt er die Künstler und Mitarbeiter der Oper mit einem herzlichen „Moin“ und spielt gelegentlich Mäuschen auf der Seitenbühne.

1 Kommentar

  1. Anke Plaumann sagt:

    Und wieder einmal: sehr informativ und gern gelesen. Ihr macht einen gute Job, Ihr Lieben!
    Gruß und danke –
    Anke

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