„Hummel, Hummel – Mors, Mors“: Ein Doppelinterview mit Christina Gansch und Tim Jentzen

Auf „Hummel Hummel“ folgt: „Mors Mors“! Ähnlich eingespielt wie der altbekannte Gruß unter Hamburgern, sind die Menschen, die bei uns in der Staatsoper auf und hinter der Bühne arbeiten. Denn bevor abends der Vorhang hochgeht, bedarf es unermüdlichen Einsatz und vor allem Teamwork. In unserer neuen Reihe auf diesem Blog bringen wir in einem Doppelinterview diese Menschen aus unserem Haus zusammen und sprechen mit ihnen über unser Opernhaus, Hamburg und Fischbrötchen – dabei trifft Bühne auf Backstage, Frau auf Mann und die Interviewpartner werden selbst zum Fragensteller.

In unserer ersten Ausgabe sprechen wir mit Christina Gansch, Sängerin und Mitglied des Internationalen Opernstudios und Tim Jentzen, Spielleiter an der Staatsoper Hamburg:

Wie war Deine erste Begegnung mit der Staatsoper Hamburg?

Christina Gansch: Das war beim Casting fürs Opernstudio. Für mich war es der erste Schritt vom Studium ins Berufsleben. Ich kam abends vom Flughafen, übernachtete in einem billigen Hotel und bin dann tags darauf zum Vorsingen gegangen. Hamburg war eine meiner ersten Stationen verschiedener Opernhäuser. Mein gutes Gefühl auf dieser Bühne hat mich nicht getäuscht.

Tim Jentzen: Gehört habe ich von der Staatsoper, schon lange bevor ich hier war. Mein Vater (ehem. Beleuchter) hat hier in der Ära Liebermann gearbeitet und hatte immer viele Geschichten von damals zu erzählen. Er ist Hamburger und ich habe die Sommer meiner Kindheit bei „Oma Hamburg“, wie wir sie nannten, verbracht. Zum ersten Mal an der Oper war ich, genau wie Christina, in Zusammenhang mit meiner Bewerbung. Die Unscheinbarkeit des Gebäudes von außen, wich schnell einer Begeisterung, als ich zum ersten Mal im Zuschauerraum war und Peter Konwitschnys Inszenierung „Meistersinger“ sah.

Welche U-Bahn Station führt Dich an Deinen Lieblingsort in Hamburg?

C: Dafür benötige ich keine U-Bahn. Entweder ich schwinge mich auf mein Rad und fahre Richtung Wasser oder ich gehe in den Stadtpark. Das viele Grün und vor allem das Wasser macht Hamburg für mich aus.

T: Da muss ich zwei nennen. Die U-Bahn Station Landungsbrücken, weil da der Ausgangspunkt für so vieles in Hamburg ist und die Saarlandstraße, nahe des Stadtparks, wo ich gerne jogge. Meistens bin ich sonntags da. Während es an der Alster viel zu voll wird, ist der Stadtpark so groß, dass es sich gut verteilt.

Mit welchem Beruf an der Oper könntest Du Dir vorstellen für einen Tag zu tauschen?

C: Wenn ich nähen könnte, dann als Schneiderin in der Kostümabteilung. Die Kolleginnen und Kollegen machen tolle, kreative Arbeit. Ich kann leider nur ein bisschen stricken und bin daher eher ungeeignet. Aber auch in meinem Beruf habe ich viel Freude an den Kostümen und schlüpfe gerne in die verschiedensten Rollen.

T: Als studierter Hornist wäre ich manchmal sehr gerne im Orchestergraben. Wenn eine Produktion ein tolles Horn-Solo hat, wünsche ich mich ab und an in den Graben. Diese Sehnsucht hat man immer als Musiker. Mein Horn rostet im Moment auf dem Dachboden und hätte dringenden Spielbedarf. Als Berufswunsch habe ich es aber nie in Erwägung gezogen. Dafür liebe ich den Beruf, den ich gewählt habe, zu sehr.

FC St. Pauli oder HSV?

C: Der HSV ist in der Ersten Liga und St.Pauli in der Zweiten Liga, richtig? Ich habe keinen Favoriten zwischen den beiden, aber mein Vater hat jetzt endlich wieder einen Grund Fußball zu schauen – nicht nur wegen Österreichs Qualifikation für die Europameisterschaft, auch weil er die Bundesliga verfolgt, seitdem ich hier bin. Trotz meines gefährlichen Halbwissens möchte ich erwähnen, dass ich selbst mal zwei Jahre Fußball gespielt habe.

T: Ich war heute Morgen um 10.00 Uhr telefonisch mit meiner Freundin verbunden, um uns Karten für die nächsten drei Heimspiele des FC St. Pauli zu besorgen. Dass es geklappt hat, freut mich besonders, da sonst viele Heimspiele in meine Probenzeit fallen. St. Pauli ist sympathisch, weil die Fanszene extrem freundlich ist und sich in kultureller Hinsicht engagiert. Ich habe letzte Saison auch mit dem HSV mitgefiebert, bekenne mich aber klar zum FC St. Pauli.

Elbe oder Alster?

C: Die Alster. Es ist wunderschön dort und immer einen Spaziergang wert.

T: Die Alster. Weil sie näher zur Oper und auch näher zu meinem Zuhause ist. In der Mittagspause lässt es sich wunderbar um die Alster joggen.

Currywurst oder Fischbrötchen?

C: Bitte wer oder was? Ich finde es seltsam, dass man auf eine Wurst, Curry macht – aber Würstchen finde ich ganz gut. Fischbrötchen sind aber auch nicht meins… also sage ich Currywurst ohne Curry.

T: Ich bin eher der Fischbrötchen-Typ. Am liebsten Krabbenbrötchen. Das geht am Wochenende auch gern schon um 11.00 Uhr morgens.

Christina Gansch will wissen…Lieber Tim, warum bist du Spielleiter geworden?

T: Durch meine Eltern bin ich mit Oper aufgewachsen, war aber immer schon ein sehr ungeduldiger Zuschauer. Besonders wenn mir nicht gepasst hat, wie die Oper erzählt wurde. Später in den Proben, ich war damals Lichtinspizient, fiel das auch den Regisseuren und Regieassistenten auf und diese meinten verständlicherweise irgendwann: „Warum machst Du es eigentlich nicht selber?“. Und dann habe ich hospitiert.

 …Tim Jentzen gibt zurück: Bleibst Du uns noch länger an der Staatsoper Hamburg erhalten, Christina?

C: Was ich verraten darf, ist, dass ich in die Saison 2016/2017 übernommen und im Ensemble bleiben werde. Und was danach die Zukunft bringt, weiß ich selbst noch gar nicht. Ich möchte sehr gerne hier bleiben. Es ist wichtig, dass man als junge Sängerin viel Bühnenerfahrung sammelt und ein Repertoirehaus bietet einem dafür die ideale Möglichkeit.

 


 

Unsere Interviewpartner:

Christina GanschChristina Gansch. Geboren und aufgewachsen in St. Pölten, studierte am Mozarteum Salzburg und schloss ihr Studium 2012 mit Auszeichnung ab. Danach war sie Stipendiatin an der Royal Academy of Music in London, wo sie bei Lillian Watson studierte. Ihr internationales Operndebüt gab sie im September 2013 in der Partie des Amor in Glucks »Orfeo ed Euridice« in Montpellier. Es folgten Auftritte beim Verbier Festival in der Schweiz, beim Resonanzen-Festival in Wien und an der Wigmore Hall in London. Im März 2013 sang sie unter Nikolaus Harnoncourt die Barbarina in »Le Nozze di Figaro« am Theater an der Wien. Als Teilnehmerin des Young Singers Project sang sie bei den Salzburger Festspielen 2015 die Barbarina in» Le Nozze di Figaro«. Seit der Spielzeit 2014/15 ist Christina Gansch Mitglied im Internationalen Opernstudio der Staatsoper Hamburg. Sie singt hier Partien wie Frasquita in »Carmen«, Karolka in »Jenufa«, Gretel in »Hänsel und Gretel«, Hirt in »Tannhäuser«, Gastwirtin/Schopfhenne in »Das schlaue Füchslein«, Barbarina in »Le Nozze di Figaro«, Oscar in »Un Ballo in Maschera« und zuletzt Ascagne in »Les Troyens«.

Tim JentzenTim Jentzen. Geboren und aufgewachsen in Basel, studierte Waldhorn an der Zürcher Hochschule der Künste. Nach dem Lehrdiplom studierte er Skandinavistik und Filmwissenschaften an der Universität Zürich. Nach diversen Hospitanzen u.a. bei Claus Guth, Peter Konwitschny, Jossi Wieler und Christoph Marthaler, brach er sein Studium ab und wechselte  2010 als Regieassistent an das Theater Freiburg. Dort arbeitete er u.a. mit Calixto Bieito, Eva-Maria Höckmayr, Uli Jäckle und Frank Hilbrich. In Freiburg inszenierte er erfolgreich »Die kleine Zauberflöte« und ein Schütz-/Bachabend »Das barocke Fressen«. Seit 2013 ist er Spielleiter an der Staatsoper Hamburg (u.a. mit David Alden, Johannes Erath, Andreas Homoki und Michael Thalheimer) ist für diverse Wiederaufnahmen verantwortlich und inszeniert in dieser Spielzeit »Der kleine Schornsteinfeger« in der opera stabile.

Vielen Dank für das Gespräch!

Eure Online-Redaktion

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