Im Gespräch mit: Bernd Grawert

Bernd Grawert ist Schauspieler und Musiker. Unterwegs im Theater wie im Fernsehen, auf dem Klavier gleichermaßen wie am Saxophon, ist für das Allroundtalent das „Einfach Machen“ und Ausprobieren der besondere Reiz. Heute Abend ist er gemeinsam mit Gabriele Rossmanith in der Reihe „AfterShow“, die erstmals an der Staatsoper stattfindet, zu sehen. Wir haben uns vorab mit ihm unterhalten.

Bernd Grawert
Bernd Grawert

Du bist hauptberuflich Schauspieler und Teil des Ensembles am Hamburger Thalia Theater – gleichzeitig bist du auch leidenschaftlicher Musiker. Wie siehst du dich selbst?

Das ist immer eine Definitionsfrage: Was ist überhaupt ein Schauspieler? Wie definiert man das überhaupt? Eigentlich geht es doch um das „Machen“. Ich mache wahnsinnig gerne Musik – wenn sich die Gelegenheit ergibt, diese in meiner Arbeit einzubauen – sei es in Inszenierungen oder selbst etwas auf die Beine zu stellen, was mit Musik zu tun hat. Was mich interessiert ist, wie man genau das mit theatralischen Elementen verbinden kann. Nun bin ich weder klassischer Musiker noch Opernsänger, aber ich singe gerne und gerade das ist für mich die reizvolle Schnittstelle: Wie verbindet man den Beruf mit dem, was man privat super gerne macht? Welche Formen gibt es da, die einem das ermöglichen und die gut funktionieren?

Wo siehst du die Magnetpunkte zwischen Schauspiel und Musik? Wo gibt es Anziehung und wo stoßen sich die Genres vielleicht sogar ab?

Für mich ist die Überlegung wichtig: Wie kriegt man einen Text und ein Musikstück zusammen? Kann man etwas singen, das man sonst sprechen würde? Derart schwebende Übergänge machen für mich einen besonderen Reiz aus. Mit Instrumenten zu spielen und die Stimme mal anders einzusetzen – beim Singen wie beim Sprechen. Das hat für mich einen enormen Intensitätsgrad und ich finde das einfach toll. Theater ist für mich wie Musik – nur auf einer anderen Ebene. Ein anderer physischer Vorgang: Wenn mit dem Instrument oder mit der Stimme Töne erzeugt werden, die Wirkung zeigen, dann öffnet das einem nochmal einen ganz anderen Raum, als durch reine Sprache. Beim Musikmachen wiederum ist der Ansatz eher ein theatralischer – was erzählt man mit einem Song, einem Abend, an dem man etwas zusammenbastelt? Und andersrum: Gutes Theater hat auch immer eine gewisse Musikalität – in der Art, wie jemand Sprache behandelt, wie eine Szene gebaut ist. Zwischen diesen beiden Polen hin und her zu switchen, das finde ich spannend. Auch so ein Projekt wie die „AfterShow“ hier an der Oper gemeinsam mit Gabriele Rossmanith, die aus einer ganz anderen Ecke kommt, ist extrem interessant. Wir haben zwei gänzlich unterschiedliche Ansätze, mit der Stimme umzugehen und wir haben großen Spaß dabei, diese zusammenzubringen. Man könnte immer weiter daran herumschrauben. Was wir erzählen, könnte man immer weiter ausbauen. Wir haben einiges ausprobiert und sind gespannt auf den heutigen Abend.

Heute Abend findet die erste AfterShow an der Staatsoper statt. Auf was freust du dich besonders bei diesem Late-Night Programm?

Ich erwarte mir einen Haufen Spaß! Wir thematisieren durch die Textauswahl, die Dialoge die wir spielen und sprechen, genau die Situation in der wir uns an diesem Abend befinden: Wie geht es Sängern und Schauspielern vor und nach einer Vorstellung? In den Ausschnitten, die wir präsentieren, spielen wir zwei Schauspieler, die versuchen, nach dem Abend ein bisschen runterzukommen, bevor sie in den nächsten Einsatz starten. Eine Mischform von Lesen, Spielen, Blödeln, Vortragen, Singen und Quatschmachen. Es soll in erster Linie ein lockerer Abend werden, in dieser Baratmosphäre, der mit einem klassischen Opernbesuch etwas brechen könnte.

 

Die erste AfterShow findet heute nach der Vorstellung „Das schlaue Füchslein“ statt. Für Opernbesucher ist der Eintritt frei. Alle Externen zahlen 10 Euro. Die Abendkasse ist im Foyer.

„Gabriele Rossmanith meets Bernd Grawert“, am Klavier Volker Krafft.

Freitag 30.10.2015, 21:30 – 23:00 Uhr | Stifter-Lounge

Alle Informationen gibt es hier.

 

Vielen Dank für das Gespräch!

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