Svetlana Aksenova

Auf einen Schnack mit: Svetlana Aksenova

Kurz vor der Probe besuchten wir Sopranistin Svetlana Aksenova auf einen Schnack in ihrer Garderobe. Als weibliche Hauptpartie „Desdemona“ ist sie in Verdis Oper „Otello“ ab 8. Januar in der Staatsoper zu Gast.

Wann wusstest du, dass du Sängerin werden möchtest?

Das ist für mich eine sehr große und private Geschichte: Ich habe es im Traum gesehen, als ich 16 Jahre alt war. Nachdem ich eine sehr schwierige Zeit durchgestanden hatte, ging ich ins Kloster. Ich sang im Kirchenchor, half den Mönchen und verbrachte viel Zeit in der Kirche. In meiner ersten Nacht dort hatte ich einen Traum: ich sah eine Kirche voller Licht und träumte, dass ich Teil dieser Sonnenstrahlen war. Ich konnte mich mit dem Licht identifizieren. Ich bin noch nie so glücklich aufgewacht.

Als ich an jenem Morgen in die Messe kam, fühlte ich genau diesen Zustand wieder – die Kirche war lichtdurchflutet und ich habe realisiert: wenn ich singe, bin ich überall. Dieses Erlebnis hat meine Welt von heute auf morgen geändert. Ich beschloss, Sängerin zu werden. Und ich wusste, wenn mich etwas so vollkommen macht, dann kann ich nicht im Kloster bleiben – ich wäre nicht ehrlich zu mir gewesen. Ich werde diesen Traum und diesen Sonnenschein niemals vergessen. Er holt mich immer wieder auf den Boden zurück.

Svetlana Aksenova

Svetlana Aksenova als „Desdemona“ © Hans Jörg Michel

Was sind deine Highlights im neuen Jahr?

Beruflich wird 2017 sehr spannend. Ich habe eine Neuproduktion von „Madama Butterfly“ in Zürich vor mir, eine weitere Neuproduktion von „Tosca“ in Oslo, auch mit Regisseur Calixto Bieito. Im Mai debütiere ich an der Bayerischen Staatsoper auch in der Partie der Cio-Cio-San („Madama Butterfly“). Das sind alles große und schöne Aufgaben, die auf mich warten. Ich suche ständig nach neuen Themen und entwickle mich immer weiter. Dieses Jahr möchte ich nach New York zu meinem Coach fahren, um mit ihm zu arbeiten. Ich habe viele neue Ideen und das hält mich unglaublich wach und aktiv.

Was ich mir aber auch ganz fest wünsche, sind Ferien! 2016 hatte ich keinen freien Tag – fünf freie Tage am Strand wären ein Traum!

Welche Musik hörst du privat?

Ich höre privat immer gerne Jazz und Blues. Ich mag die Musik und Stimme von Nina Simone sehr gerne oder finde auch die brasilianische Sängerin Alicione ganz toll. Und ich liebe es zu tanzen! Zum Beispiel Samba oder Salsa – das mache ich auch gerne vor der Vorstellung, um richtig locker und frech auf die Bühne zu gehen.

Svetlana Aksenova

In Calixto Bieitos Inszenierung von „Otello“ ist Svetlana an der Dammtorstraße zu erleben. © Hans Jörg Michel

Svetlana Aksenova

Geboren in St. Petersburg, begann Aksenova ihre Stimmausbildung am bekannten Konservatorium „N.A. Rimski-Korsakow“. Sie wechselte ins Ensemble der Oper Basel und erweiterte seitdem ihr Repertoire um zahlreiche Partien, unter anderem die der Desdemona, Lisa, Rusalka, Cio-Cio-San, Mimi aus „La Bohème“ oder Blanche aus „Dialogues des Carmélites“. Ihre internationalen Debüts ließen nicht lange auf sich warten. Sie gastierte an der Niederländischen Nationaloper, erlangte weltweite Aufmerksamkeit an der Pariser Oper, der Deutschen Oper Berlin, der Norwegischen Oper und der Königlichen Oper in Stockholm und gab ihr Debüt am Gran Teatre del Liceu in Barcelona und war an der Dallas Oper und am Teatro Municipal in Sao Paolo, Brasilien zu erleben. Im Sommer 2016 debütierte sie am Teatro dell’Opera di Roma in der Titelrolle der „Madama Butterfly“, in der sie auch an der Berliner Staatsoper Unter den Linden und Bayerischen Staatsoper in München ihren Erstauftritt feierte. Aksenova arbeitet mit namhaften Regisseuren und Dirigenten, darunter beispielsweise Stefan Herheim, Dmitri Tcherniakov, Vera Nemirova, Christopf Loy, Mariss Jansons oder Ingo Metzmacher.

Sie wird außerdem in der Rolle der Titelrolle der Neuinszenierung von „Tosca“ an Den Norske Opera & Ballett zurückkehren, inszeniert von Calixto Bieito. In seiner Inszenierung von „Otello“ wird sie als Desdemona im Januar 2017 an der Hamburgischen Staatsoper zu erleben sein.

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