Konzerttester

Konzerttester – Mit den Philharmonikern auf der Bühne

Nach dem großen Erfolg der Operntester für die Neuproduktion der Zauberflöte, schickten wir 3 junge Leute zu Kent Nagano und Gidon Kremer auf die Bühne, um als Konzerttester die Probe zum 3. Philharmonischen Konzert hautnah mitzuerleben.

Victoria, Hannah und Adrian haben Sofia Gubaidulinas Violinkonzert Nr. 2 vorab getestet. Nach einer kurzen Einführung in das Stück, konnten sich die drei entscheiden, neben welcher Instrumentengruppe sie am liebsten säßen, um die Probe zu erleben.
Hier auf dem Blog bekommen sie nun die Gelegenheit, ihre Eindrücke zu schildern. Wie war es, das Orchester mal von der anderen Seite zu erleben? Wie fanden sie das moderne Stück? Welche Eindrücke sind wirklich hängen geblieben?

Hier nun einige Auszüge aus den Berichten von Victoria, Hannah und Adrian:

 

Zusammen gingen wir in die Laeiszhalle hinein und in einem Caffee wurden uns die Einzelheiten über die Komponistin Sofia Gubaidulina erzählt.
Dann sind wir zu den Zuschauerplätzen im 1. Rang gegangen. Von dort hatten wir eine tolle Sicht auf die Musiker, die sich einspielten oder ihre Instrumente reinbrachten.
Schließlich begann die Probe mit Kent Nagano und Gidon Kremer als Solist. Ich durfte mir vorher einen Platz im Orchester auf der Bühne aussuchen, wo ich mich hinsetzen wollte. Ich saß natürlich neben den Hornisten, denn ich selber spiele schon länger Horn. Von den Horn-Musikern wurde herzlich aufgenommen. Aber sie spielten recht laut! Ich konnte die Anweisungen des Dirigenten gut folgen: „Bitte aus dem Forte – nur mezzo Forte!“ (Victoria)

 

Von meinem Platz aus (direkt neben den Oboen), den ich mir trotz der großen Besetzung selbst aussuchen durfte, konnte ich die Arbeit des Dirigenten Kent Nagano gut verfolgen. Der Fokus lag hier vor allem auf der Feinabstimmung der Dynamik, um den Solisten Gidon Kremer dem Publikum optimal hörbar werden zu lassen. Es wurden deshalb mehrmals einzelne Passagen wiederholt, sodass ich leider nicht in den Genuss gekommen bin, einmal das gesamte Werk zu hören. Dennoch ist mir durch einige besonders intensive Stellen der Solovioline wieder einmal ins Bewusstsein gerufen worden, dass „moderne“ Kompositionen des 21. Jahrhunderts nicht zwangsläufig voller Dissonanzen und spezieller Tonalitäten sein müssen! (Hannah)

 

Geprobt wird „in tempus praesens“ von Sofia Gubaidulina. Ein modernes Violinkonzert, bei dem die Komponistin das Phänomen der Zeit thematisiert. Ihr Ziel ist es, in der Kunst eine Art dauerhafte Gegenwart zu schaffen. Eine Art „live for the moment“, dargestellt mithilfe eines ganzen Orchesters. Ein ganzes Orchester mit nur einer Geige. Die Solo Geige und der Rest des Orchesters sollen klanglich im Kontrast stehen. Vielleicht aber haben die restlichen Geigen auch einfach nicht mehr auf die Bühne gepasst, die platzt auch ohne sie schon aus allen Nähten.
Strategisch gut positioniert, sitze ich nun also vor der Percussion, neben Tuba und Kontrafagott und hinter dem Cembalo. Spielen sie alle zusammen, bildet sich um mich herum eine vibrierende Klangwand, die mich komplett vom restlichen Geschehen trennt. Gefühlt schwingt mein Körper mit den Bässen der Tuba mit. Als dann der Gong in mein rechtes Ohr schallt, schallt es in meinem Ohr nach. Aber auf diese „mein Ohr klingelt zwar, aber es hat sich total gelohnt“-Art und Weise, die man sonst nach Rock-Konzerten hat. (Adrian)

 

Das Violinkonzert hat mir sehr gut gefallen, denn es war recht modern. In diesem Stück spielen viele Instrumente, die ich vorher noch nie so nah gesehen habe: Harfe, Celesta, Fagott. Ich lauschte den geheimnisvollen Klängen der Geige, die mich in eine andere Welt abtauchen ließen. Es war sehr faszinierend und bildhaft zugleich. Ich habe noch nie so ein tolles Konzert erlebt. (Victoria)

 

Ein bisschen wie in der Schule wird getuschelt und gescherzt. Plötzlich greifen alle wieder schnell nach ihren Instrumenten. Noch eine letzte Klangwand. Ich schwinge mit. Dann beendet Nagano die Probe. Was für ein Stück! (Adrian)

 

Was mir persönlich darüberhinaus wahnsinnig gut gefallen hat, war, zum ersten Mal eine Probe eines Profiorchesters direkt aus dem Orchester heraus mitzuerleben. Ich habe dadurch einen anderen Blick auf die Musik entwickelt, da ich nicht nur das Endergebnis im Konzert präsentiert bekam, sondern den Weg dahin verfolgen konnte. Was mir aufgefallen ist, ist die gute Stimmung der Kollegen untereinander. Obwohl es für sie als Profis ja Arbeit ist und keine Freizeit, merkt man ihnen den Spaß daran an,gemeinsam Musik zu machen.
Dieser Funken sprang auf mich bereits nach wenigen gespielten Takten über und ließ mich, obwohl ich selber nicht gespielt habe, Teil des Ganzen werden. Dieses Phänomen, das mir nicht bei jedem Profiorchester in diesem Maße aufgefallen ist, verändert auch die Wirkung der Musik auf mich als Zuhörerin.
Unterstützt durch die kollegiale, lockere Stimmung, besonders in den Bläsern um mich herum, die für jede Frage bereitstanden, war es alles in allem eine tolle Erfahrung, bei der Probe dabei sein zu können, die mich davon überzeugt hat, mir am Sonntag das Konzert anzuhören! (Hannah)

 

Wer etwas Neues entdecken möchte, würde ich raten, auf jeden Fall zum Konzert zu gehen. (Victoria)

 

Schön, dass ihr bei uns wart! Du willst auch Konzert- Ballett oder Operntester werden? Dann bewirb dich unter folgender Email-Adresse: schausdiran@staatsoper-hamburg.de

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *