Welche Rolle spielt eigentlich… eine Videotechnikerin?

Anlässlich des Internationalen Frauentags blickten wir hinter die Kulissen und trafen uns mit Patricia Compan Flores, die als Videotechnikerin in einer typischen Männerdomäne arbeitet. Im Interview erzählt sie uns von ihrem Arbeitsalltag und vom Spaß an der Technik.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei dir aus?

Ich arbeite hier an der Hamburgischen Staatsoper in der Bühnentechnik – als Videotechnikerin und Mitarbeiterin der Beleuchtungsabteilung. Wir sind gefragt, sobald Videoelemente in Produktionen zum Einsatz kommen – wir bespielen zum Beispiel die LED-Vorhänge der „Zauberflöte“ oder das Bühnenbild von „Le Nozze di Figaro“. Auch in der nächsten Produktion „Erzittre, feiger Bösewicht!“ sind wir Videotechniker involviert. Unsere Arbeit ist sehr vielseitig: Wir simulieren Schneefall auf der Bühne oder lassen virtuelle Räume entstehen.

Mein Arbeitstag kann ganz unterschiedlich aussehen – ich bin natürlich oft backstage rund um die Hauptbühne aber auch im Zuschauerraum unterwegs, installiere und nehme Monitore und Beamer in Betrieb, verlege Kabel und stelle die Netzwerke her. Je nach Produktion bin ich auch oft in meinem Büro am Computer und arbeite an den Videos, die für die Vorstellung projiziert werden sollen.

Wie bist du zu diesem Beruf gekommen?

Ich habe Medientechnik an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften (HAW) in Hamburg studiert. Mein Praxissemsester habe ich am Thalia Theater absolviert und diverse Aushilfsjobs an Theatern gemacht – ich wusste schnell, dass ich im Bereich Licht oder Video am Theater arbeiten möchte. Die Videotechnik gefällt mir gut, weil sie viele Dinge vereint – Informatik, Programmierung, Videoproduktion. Es macht mir Spaß, mit Bewegtbild zu arbeiten, denn die Arbeit ist sehr vielfältig. Man kann zum Beispiel mit Live-Kamera arbeiten, wie bei unserer aktuellen „Zauberflöten“-Inszenierung, wo die Sänger live von einer Kamera aufgezeichnet werden und in Echtzeit in LED-Lichter übertragen werden. Die Bühnenbildner denken sich spannende Konzepte aus und gemeinsam überlegen wir, wie wir das für die Inszenierung umsetzen können. Für die Produktion „¡Gesualdo!“ hatten wir 20 Monitore in der opera stabile angebracht, die „Cues“ gleichzeitig für alle Monitore zu programmieren war nicht einfach. Vieles ist auch klassisches Learning-by-doing und wir tasten uns an Lösungen heran. Das macht großen Spaß!

Videoprojektion in „Die Zauberflöte“

Videoprojektion in „Die Zauberflöte“

Wie fühlt es sich an, in einer Männerdomäne zu arbeiten?

In meinem Studium waren wir von 40 Studenten nur 5 Frauen. Man gewöhnt sich schnell an dieses Verhältnis, ich finde, es ist gar kein Problem – vielleicht finde ich es sogar besser so, da gibt es weniger Zickereien! Klar habe ich nicht so viel Kraft, aber meine männlichen Kollegen haben dafür Verständnis, dass ich nicht so viele Kilos an Kabel schleppen kann wie sie. Sie sind alle sehr hilfsbereit.

Wie soll die Welt am Weltfrauentag in 5 Jahren aussehen?

Ich sehe es bei meiner Tochter – das Interesse an Technik ist nicht so richtig vorhanden. Schon in der Schule wird deutlich, dass Physik und Mathematik für Jungs sind. Das finde ich nicht richtig. Ich wurde oft gefragt, ob mich das nicht störe, dass in meinem Studium nur so wenige Frauen sind – viele Frauen haben Angst, nicht dagegen anzukommen. Ich selbst habe das nie als Schwierigkeit empfunden und würde mir wünschen, dass ein Ingenieursstudium oder die Veranstaltungstechnik nicht mehr als Männerdomänen wahrgenommen werden.

3 Kommentare

  1. Magdalena Toborg sagt:

    Super interessant!
    Gratulation

  2. Daniela Karls sagt:

    Wir brauchen in unserer Gesellschaft mehr Frauen wie Patricia. Wenn es für uns Frauen selbstverständlich ist in einer Männerdomäne zu arbeiten, dann wird es irgendwann selbstverständlich für unsere Gesellschaft. Dasselbe gilt übrigens mit Männern in von Frauen dominierten Berufen.

  3. Regina Waskow sagt:

    Ich bin total begeistert mit welchem Selbstverständnis, mit welcher Begeisterung und Zufriedenheit Patricia von ihrem Job berichtet. Solche Frauen braucht die Arbeitswelt!

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