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Auf einen Schnack mit: Dimitri Platanias

Der griechische Bariton Dimitri Platanias singt Giuseppe Verdis Nabucco in der gleichnamigen Inszenierung von Kirill Serebrennikov. Inmitten der speziellen Probensituation nahm er sich einen Moment Zeit, uns ein paar Fragen zu beantworten.

Was ist das Besondere an der Partie des Nabucco?

Dimitri: Das Besondere daran ist technischer Natur: Die Partie ist schwierig zu singen und technisch enorm fordernd. Es ist eine von Verdis ersten Opern, es gibt sehr viel Gesang von Beginn an und die Arie kommt erst am Schluss. Man muss sich als Sänger dieser Partie seine Kräfte sehr gut einteilen, sodass man die Arie am Ende immer noch mit einer guten Stimme singen kann. Grundsätzlich ist diese Partie für mich aber besonders durch die Schönheit der Melodien gekennzeichnet. Obwohl ich sehr viel Verdi singe, ist Nabucco jedes Mal aufs Neue eine besondere Herausforderung.

Wie gestaltet sich die Zusammenarbeit mit Kirill Serebrennikov und seinem Team? Wie ist der Probeprozess mit einem Regisseur, der nicht vor Ort ist?

Dimitri: Ich muss sagen, dass es die Proben für mich tatsächlich in keinster Weise erschwert oder verkompliziert hat, denn sein Assistent vor Ort, Evgeny, ist wirklich sehr präzise und er weiß ganz genau, was er will. Selbstverständlich wird er vorab von Kirill angeleitet. Es ist fast so, als wäre Kirill anwesend. Vielleicht wären die Proben anders, wenn er physisch vor Ort wäre – aber ich habe trotz dieser besonderen Situation und durch die tolle Arbeit seines Teams keinerlei komplizierte Abläufe oder Schwierigkeiten erlebt.

Die Neuinszenierung versetzt das Geschehen der Oper in das politische Zentrum des heutigen Europas. Was bedeutet das für deine Rolle?

Dimitri: Am Anfang war es natürlich ungewöhnlich, da der Kontext dieser Inszenierung ja etwas völlig Neues ist. Der ursprüngliche Text handelt unter anderem von Babylon, Gott und dessen Zorn – in der Inszenierung ist es zum Beispiel nicht der Zorn Gottes, der auf Nabucco einwirkt, sondern ein Schlaganfall. Die zugrundeliegenden Ideen dieser Produktionen finde ich aber sehr clever. Schließlich geht es auch in dieser Inszenierung um Machtgier und deren Auswirkung – auch auf Nabuccos geistigen Zustand und sein Handeln. Letztendlich sind die ursprünglichen Themen der Oper auch hier wiederzuerkennen. Alles andere ist allerdings absolut neu. (lacht)

 


 

Dimitri PlataniasDimitri Platanias

Dimitri Platanias wurde in Kalamata geboren. Er studierte in Griechenland Klassische Gitarre und Gesang sowie Englische Sprache und Literatur. Sein Repertoire umfasst Partien wie Amonasro („Aida“), Gérard („Andrea Chenier“), Renato („Un Ballo in Maschera“), Alfio („Cavalleria rusticana“), Posa („Don Carlos“), Barnaba („La Gioconda“), Macbeth („Macbeth“), Nabucco („Nabucco“), Jago („Otello“), Tonio („Pagliacci“), Rigoletto („Rigoletto“), Simon Boccanegra („Simon Boccanegra“), Stankar („Stiffelio“), Scarpia („Tosca“), Giorgio Germont („La Traviata“), Conte di Luna („Il Trovatore“), Guido di Montforte („I vespri siciliani“), u. a.