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Auf einen Schnack mit: Irina Lungu

Mit der russischen Sopranistin Irina Lungu dürfen wir eine der prominentesten Rollenvertreterinnen der „Traviata“ im Rahmen der Italienischen Opernwochen 2019 auf der Bühne der Hamburgischen Staatsoper begrüßen.

Seit wann bist Du mit der Rolle der Titelpartie Violetta Valéry vertraut?

Irina: Ich gab mein Rollendebüt als Violetta mit Mitte 20, vor etwa zehn Jahren. Lorin Maazel suchte eine Violetta für die Mailänder Scala. Ich sang mit dem Klavierauszug in der Hand vor und Maestro Maazel fragte mich: „Signorina, haben Sie die Rolle eigentlich gelernt?“ Ich musste ihm gestehen, dass ich die Partie noch nie gesungen hatte. Er wählte mich trotzdem für die Produktion aus und so kam es zu meinem Rollendebüt als Traviata. Ich war damals sehr mutig, andernfalls ist ein Debüt in einer solchen Rolle dort nicht möglich. An der Scala sang ich die Rolle anschließend auch in einer Neuinszenierung im Jahr 2013. In zwei verschiedenen Inszenierungen an der Scala erfolgreich die Traviata zu singen ist etwas Besonderes, und darauf bin ich auch ein wenig stolz! Mittlerweile habe ich die Violetta auf der ganzen Welt gesungen, unter anderem mehrmals an der Wiener Staatsoper, an der Pariser Oper, am La Fenice in Venedig, am New National Theatre in Tokyo, in Seoul, am Bolshoi in Moskau, am Teatro Real in Madrid, am Opernhaus Zürich, an der Deutschen Oper und der Staatsoper Berlin. An der Staatsoper Hamburg habe ich mit der Traviata mein Hausdebüt vor drei Jahren gegeben.

Die Traviata ist Deine Paradepartie, was verbindet Dich mit dieser Figur?

Irina: Die Traviata ist nach circa 150 Vorstellungen eine Art „Alter Ego“ für mich geworden. Sie ist ein Teil von mir und ich lebe fast schon in einer Art Symbiose mit dieser wunderbaren Rolle. Ich versuche die Rolle immer so zu singen, als ob es das erste Mal wäre. Als Interpretin ist es mir wichtig, das Gefühl der Unabwendbarkeit von Violettas Schicksal von Anfang an auf das Publikum zu übertragen, ohne etwas vorwegzunehmen. Mir gefällt der Gedanke, dass sowohl Erstbesucher, als auch bestens vorbereitete Opernliebhaber, von dieser leidenschaftlichen Geschichte berührt das Theater verlässt.

Was sind Deine nächsten Pläne als Violetta?

Irina: Diesen Sommer werde ich die Violetta in einer neuen Franco Zeffirelli-Inszenierung in der Arena di Verona singen und einem breiten Publikum nahebringen. In Verona habe ich viel gesungen in den letzten Jahren und die Violetta wird die zwölfte Partie sein, die ich dort interpretiere. Ich freue mich sehr, dort endlich auch die Violetta zu singen.

 


 

Irina LunguIrina Lungu

Die Sopranistin Irina Lungu wurde in Russland geboren. Sie studierte Klavier, Gesang und Chorleitung in Russland sowie an der Accademia del Teatro alla Scala. Sie sang bereits an der Metropolitan Opera New York, dem Teatro alla Scala, dem Royal Opera House Covent Garden, der Wiener Staatsoper, der Deutschen Oper Berlin, der Staatsoper Unter den Linden, an De Nationale Opera Amsterdam, am Teatro Real, in der Arena di Verona, am Teatro La Fenice Venedig, am Teatro San Carlo Neapel, beim Festival d´Aix-en-Provence, u. a. Zu ihren wichtigsten Partien gehören Violetta Valéry („La Traviata“), Gilda („Rigoletto“), Nannetta („Falstaff“), Liù („Turandot“), Micaëla („Carmen“), Musetta („La Bohème“), Norina („Don Pasquale“), Marguerite („Faust“) und Adina („L´Elisir d´Amore“).