Auf einen Schnack mit: Maria Bengtsson

Maria Bengtsson probt zurzeit für Verdis „Messa da Requiem“. Für uns fand die schwedische Sopranistin Zeit für einen kurzen Schnack: Über Tipps gegen die Kälte, die Frage Hamburg oder Berlin und über Opern, die keine Opern sind.

Verdis Requiem ist keine Oper per se: Es gibt keine Handlung und keine Figuren. Wie arbeiten Calixto Bieito und du daran, die Stimme mit Leben zu füllen?

Maria Bengtsson: Als Calixto uns von seinem Konzept für das Requiem erzählt hat – dass er Todesschicksale in europäischen Familien und Beziehungen darstellen wolle – konnte ich mir die Umsetzung gut vorstellen. Ich sollte eine Mutter, die ihr Kind durch einen Autounfall verliert, spielen. Sie gibt sich selbst die Schuld an dem Unfall, weil sie das Kind losgeschickt hat. Durch einige Situationen auf der Bühne spürt man auch, dass ihr Mann sie nicht gänzlich von der Schuld lossagt. Auf jeden Fall schaffen sie es beide nicht mehr, normal miteinander zu leben und gehen daran auf verschiedene Weise zu Grunde. Ich habe als Jugendliche und auch in den letzten Jahren einige Menschen verloren. Diese Auseinandersetzung mit dem Tod hilft mir, die Rollen auszufüllen und „auszufühlen“.

© Brinkhoff/Mögenburg

Maria Bengtsson in „Messa da Requiem“

Du hast viel in Berlin gearbeitet, warst aber auch schon oft in Hamburg zu Gast. Welche Stadt bietet die meisten Vorzüge?

Maria: Ich habe sehr viel in Berlin gearbeitet und lebe mit meiner Familie auch dort. In Hamburg bin ich bisher in der Laeiszhalle und in der Elbphilharmonie aufgetreten. Mit dem „Verdi-Requiem“ debütiere ich an der Staatsoper. Ich liebe Berlin wirklich – mein Mann arbeitet dort und unsere beiden Kinder sind dort geboren. Hamburg ist eine wunderschöne Stadt, das Wasser ist für mich sehr inspirierend und erinnert mich an meine Heimat. Und auch die Menschen sind freundlich hier in Hamburg. Ich fühle mich hier sehr wohl!

Als Schwedin kennst du Dich bestimmt aus mit kaltem Wetter… Kannst du uns einige Tipps geben, wie wir die Zeit bis zum Frühling am besten überstehen?

Maria: Auch als Schwedin konnte ich mich nie an Kälte gewöhnen! Ich friere immer, auch oft im Sommer. Ich habe immer kalte Hände und Füße. Meine Tipps sind nicht außergewöhnlich: heißen Tee trinken, Kaschmirpullis tragen und in Bewegung bleiben. Singen und Schauspielern hält einen warm!

 

Maria Bengtsson

© Monika Rittershaus

© Monika Rittershaus

Maria Bengtsson studierte an der Staatlichen Hochschule für Musik in Freiburg. Von 2000 bis 2002 war sie Ensemblemitglied der Volksoper in Wien, von 2002 bis 2007 Ensemblemitglied an der Komischen Oper Berlin, wo sie unter Kirill Petrenko in vielen seiner wichtigsten Produktionen in den Hauptpartien zu hören war. Seit 2007 ist die Künstlerin freischaffend tätig.

Ihre wichtigsten Rollen sind u. a. Donna Anna und Donna Elvira („Don Giovanni“), Fiordiligi („Cosi fan tutte“), Gräfin („Le Nozze di Figaro“), Patina („Zauberflöte“), Ilia und Elettra („Idomeneo“), „Daphne“ von Richard Strauss (Titelrolle), Cunegonde in „Candide“ (Bernstein), die Titelrolle von Monteverdis „L’Incoronazione di Poppea“, Feldmarschallin („Rosenkavalier“), Lady Harriet Durham („Martha“) und „Arabella“ (Titelrolle).

In der Saison 2017/2018 ist Maria Bengtsson unter anderem an der Berliner Staatsoper, der Hamburgischen Staatsoper, bei den Maifestspielen Wiesbaden und bei Konzerten mit den Dresdner Philharmonikern, mit dem Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin und in der Elbphilharmonie zu hören.