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Opernrätsel #1

Moskau, Tscherjomuschki

Das Alltägliche, ja Profane, hat es in im musikalischen Theater schwer und zeigt doch zum Teil tiefere Abgründe als jede hochdramatische Handlung. So stehen in Schostakowitschs erster Oper „Die Nase“ (UA 1930) alltägliche Abläufe wie Brotschmieren, Kaffee trinken und Rasieren im Mittelpunkt, die nach der Vorlage Nikolai Gogols intensiv mit der Absurdität einer wahrhaft laufenden Nase verbunden sind. Hier stehen der nasenlose Kollegienassessor Kowaljow und sein flüchtiges Riechorgan im Fokus und nicht Liebesschwüre oder große Kriege. Ein Anfängerfehler, wie sich herausstellen musste: politisch kritisierte „Väterchen Stalin“ den fehlenden positiven Helden. Und auch musikalisch wurde das Werk als zu „westeuropäisch“ und „formalistisch“ abgelehnt. So wurde die Oper nach nur 16 Vorstellungen von den Spielplänen entfernt und erst 1974 wieder in der UdSSR aufgeführt.

Doch Schostakowitsch lernte aus Verfolgung und Repression: während des Krieges begann er, sich der sowjetischen Kunstideologie nach und nach vermeintlich anzupassen und versteckte fortan seine kritischen Töne in musikalischer Verklausulierung. So versteckte er in dem triumphalen Gewand der 5. Sinfonie die Idee eines Todesmarsches und es wird gemutmaßt, dass er in seiner 9. Sinfonie von 1945 den „weisen Führer und strahlenden Held“ mit blumig-heiteren bis burlesken musikalischen Umschreibungen gleichzeitig befriedigte und als Esel beleidigte.

Sein letztes fertiggestelltes Musiktheater vollendete gewissermaßen auch für die Bühne diese doppelbödige Strategie: In seiner einzigen Operette „Moskau, Tscherjomuschki“ zeigte Schostakowitsch 1959 nur sechs Jahre nach dem Tod Stalins, dass er auch das leichte Genre beherrschte und es schaffte, gesellschaftskritische Töne an Wohnungsnot und der korrupten Bebauungspolitik Chruschtschows sicher und weich in musikalische Watte aus Schlager- und Walzerklängen zu verpacken.

Frage:
Nun aber die Frage nach einem weiteren Anfängerfehler Schostakowitschs zwischen musikalischer Aufrichtigkeit und Anpassung an das politische System:
Welche Oper wurde 1963 in Zeiten des Tauwetters und damit fast 30 Jahre nach der Uraufführung unter dem neuen Namen „Katerina Ismailowa“ erneut uraufgeführt?

Das können Sie gewinnen:

1. Preis: Zwei Karten für „La Bohème“ am 26. November
2. Preis: Zwei Karten für „La Cenerentola“ am 19. Dezember
3. Preis: Zwei Karten für „Bernstein Dances“ am 23. Januar

Senden Sie die Lösung bitte bis zum 15. Oktober 2019 an die Redaktion „Journal“, Hamburgische Staatsoper, Postfach, 20308 Hamburg oder an presse@staatsoper-hamburg.de.
Mitarbeiter der Hamburgischen Staatsoper und ihre Angehörigen sind leider nicht teilnahmeberechtigt. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

Das war beim letzten Mal die richtige Antwort:
„Don Carlos“
Die Gewinner werden von uns schriftlich benachrichtigt.