Opernrätsel

Opernrätsel #5

Traumgedanken der Bourgeoisie

Zur Kunst der Operette dichtete Karl Kraus einst:
„Mehr Logik will ich, als die Welt kann fassen;
Drum leb ich lieber, wo sie fehlt: im Traum.
Am Tag jedoch wehrt ihr die Welt den Raum
Und just den Traum will sie ihr überlassen.“

Den Traum nimmt auch Offenbachs berühmt berüchtigte schöne Helena sehr ernst und betrügt den gehörnten Ehemann König Menelaos ganz träumerisch und leidenschaftlich mit dem schönen jungen Prinz Paris.
Die Operette verbindet Antike und Sittenbild des 19. Jahrhunderts und Hubert Stuppner sah Offenbachs Musik „als Ausdruck der manifesten und latenten Traumgedanken der Bourgeoisie, sie verarbeitet sinnliche Wunschreste, die diese in Geld und Geschäftigkeit zu investieren nicht in der Lage waren“.
Was auch immer diese sinnlichen Wunschreste noch sein können, bei der Uraufführung gehörte sicher die leicht bekleidete Operettendiva Hortense Schneider dazu, der Offenbach die Rolle der Helena eigens auf den traumhaften Leib geschneidert hatte und die Vorbild für die sagenumwobene „Nana“ aus Émile Zolas Feder war.
Es ist gleichermaßen heuchlerisch wie wenig verwunderlich, dass ob der „in verschiedenem Sinne florierenden Nacktheit“ im Stück Fürst Metternich nach der Premiere zu seiner Ehefrau gesagt haben soll: „Wir haben unrecht daran getan, der Premiere beizuwohnen. […] Unser Name wird in allen Zeitungen stehen, und es ist nicht angenehm für eine Frau, gewissermaßen offiziell in einem solchen Stück gewesen zu sein.“
Das werden einige Damen im Publikum sicher anders gesehen haben. Besonders deutlich ist dies möglicherweise in Bezug auf die deutschsprachige Erstaufführung 1865 in Wien geworden. Hier übernahm Marie Geistinger die Titelrolle und inspirierte Mann und Weib gleichermaßen so wie Zolas Nana Bankier Steiner, Graf Muffat oder ihre Freundin Satin.

Frage: Wer nun komponierte 1877 die Geistinger-Sonate, auch Klaviersonate Nr. 2 fis-moll aufgrund großer Verliebtheit in die schöne Sängerin?

(Tipp: Sie schrieb 6 Opern, die aktuell darauf warten, nach ca. 100 Jahren an den großen deutschen Bühnen wieder aufgeführt zu werden.)

Das können Sie gewinnen:

1. Preis: Zwei Karten für „Illusionen- wie Schwanensee“ (Ballett) am 22. Mai
2. Preis: Zwei Karten für „Daphne“ am 8. Juni
3. Preis: Zwei Karten für „Eugen Onegin“ am 13. Juni

Senden Sie die Lösung bitte bis zum 25. April 2019 an die Redaktion „Journal“, Hamburgische Staatsoper, Postfach, 20308 Hamburg oder an presse@staatsoper-hamburg.de.
Mitarbeiter der Hamburgischen Staatsoper und ihre Angehörigen sind leider nicht teilnahmeberechtigt. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

Das war beim letzten Mal die richtige Antwort:
„Hans-Werner Henze“
Die Gewinner werden von uns schriftlich benachrichtigt.