Opernrätsel

Opernrätsel #5

Requiem

Der Tod ist trocken und dunkel und folgt so logisch auf das Leben wie Treppenstufen, die nach oben oder unten laufen. Musik für die Gestorbenen: Bei Verdi – trotz musikalisch monumentaler Ausmaße und Opernorchester – noch aufgebaut in strenger Abfolge der katholischen Liturgie, ist das Requiem geprägt von einem unnachgiebigen Nacheinander der Schritte in den Tod: Introitus, Dies irae, Offertorium, Sanctus – die Lobpreisung dieses Gottes in der Höhe; Agnus Dei – die Übergabe der Sünden an das Lamm; Lux aeterna – das ewige Licht – für wen?

Im Gegensatz zu beispielsweise Mozart fügt Verdi dem Geleit der Toten noch eine Musik für die Lebenden hinzu: Libera me „Rette mich vor dem ewigen Tod“ und was ist, wenn Träume sterben? Selbst in Brahms’ „Deutschem Requiem“ mit seinen symphonischen Dimensionen und seinen tröstenden Abweichungen von der katholischen Enge wird in aller Kraft und Andacht die lineare Zwangsläufigkeit des Todes greifbar. Schritt für Schritt.

Und was dann, wenn die Treppe kein Ende hat? Das 20. Jahrhundert brachte physikalische Unmöglichkeiten wie die Penrose-Treppe und zwei Weltkriege: beide wirken sich (wahllos) auf das Verhältnis zum Tod aus. Brittens „War Requiem“ lässt mit zeitgenössischen Gedichten das Jetzt in den vertonten Text einfließen und beginnt so die lineare Abfolge einer alten Form aufzuweichen.

Ligeti vertont zwar den ursprünglichen Text der katholischen Messe, löst jedoch jede hörbare Melodieführung in mikrotonale Cluster auf und schichtet Gleichzeitigkeiten übereinander, bis sie einander aufheben oder ersticken. Leben und Tod sind hier eng ineinander verstrickt und lassen sich nicht auseinander dividieren. Die Lebenden und Toten befinden sich auf der gleichen in endlosem Kreis geführten Treppe, die nirgendwo hinführt.

Welcher Komponist treibt nun aber die Vielstimmigkeit der Lebenden und Toten auf die Spitze, ordnet die Zeit und den Klang kugelförmig an und fügt sich selbst als Sterbender an der Schwelle zwischen Leben und Tod mit in die Gleichung ein?

Das gibt es zu gewinnen:

  1. Preis: zwei Karten für „BENJAMIN“ am 6. Juni
  2. Preis: zwei Karten für „Le Nozze di Figaro“ am 14. Juni
  3. Preis: zwei Karten für „Nijinsky“ (Ballett) am 27. Juni

Mitarbeiter der Hamburgischen Staatsoper und ihre Angehörigen sind leider nicht teilnahmeberechtigt.

Das war beim letzten Mal die richtige Antwort: „Prometheus“ (Die Geschöpfe des Prometheus). Die Gewinner wurden von uns schriftlich benachrichtigt.