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KonzertTester in der Elphi: Mittendrin in der Alpensymphonie

Wie klingt Richard Strauss‘ Alpensymphonie – wenn man mitten im Orchester sitzt? Unsere KonzertTester Katharina (23), Ladislaus (24) und Marthe (18) haben in den Proben zum 2. Philharmonischen Konzert hautnah miterlebt, wie der Dirigent Marek Janowski und die Musiker des Philharmonsichen Staatsorchesters Hamburg sich auf die Konzerte vorbereiten.

Hier berichten unsere KonzertTester, wie sie die Probe erlebt haben:

Ich war am 3. November 2017 in der Elbphilarmonie und habe die Alpensinfonie von Richard Strauss anhören dürfen. Das Orchester ist wahnsinnig groß besetzt, mit besonderen Instrumenten wie Piccoloflöte und Es-Klarinette und einem Bläserchor vor der Tür. Besonders toll war, dass wir mitten im Orchester sitzen durften und daher die Musik nicht nur hören sondern auch fühlen, spüren und sehen konnten. Die Sinfonie beginnt mit einem ganz seichten Nebel, der von den Streichern ausgehend durch das ganze Orchester zieht. Ich bin gemeinsam mit dem Orchester den Berg hinauf gewandert, habe Vogelgezwitscher und auch die Bäume und den Fels gehört.

Als wir den Gipfel erklommen haben, war es unbeschreiblich schön, so als reist der Himmel auf. Ein Gewitter zieht auf, das ganze Orchester bewegt sich, der Wind bläst, es zittert, quietscht, der ganze Boden vibriert und man bekommt eine Gänsehaut. Schnell geht es den Berg wieder herab getrappelt und ich bin gerade noch einmal mit dem Schrecken davon gekommen. Das war wirklich eine beeindruckende Atmosphäre: ich saß zwischen Klarinetten, Flöten und Harfen, vor mir die Streicher und hinter mir das Schlagwerk. Es war schön, genau dazwischen zu sitzen und auch mal in die Noten luschern zu können. Auf der Bühne der Elbphilharmonie fühlt es sich an, als sitzt man in einer Klangmuschel, nur dass es nicht rauscht. Ich habe mich wirklich sehr gefreut so etwas Besonderes erleben zu dürfen. (Marthe)

Das Philharmonische Staatsorchester Hamburg in der Elbphilharmonie. Foto: Felix Broede

Das Philharmonische Staatsorchester Hamburg in der Elbphilharmonie. Foto: Felix Broede

Der erste Besuch in der Elbphilharmonie und schon darf man sich unter die eintrudelnden Musiker mischen und die Fahrt in den 12. Stock antreten. Vorbei an Proberäumen und Künstlergarderoben wird man in das neue „Akustikwunder“ Hamburgs geführt. Der Raum ist schon erfüllt von sich einspielenden Musikern. […] Unter dem bewanderten Taktstock von Marek Janowski erhält die Symphonie von Richard Strauss ihren letzten Schliff. Der deutsche Dirigent von Weltrang ist in seiner Präsenz nie großtuerisch. Sowohl seine Gesten als auch seine Stimme hält er stets gedämpft und nur hin und wieder bricht es aus ihm heraus. „Lauter in den Celli, Allesgeben Englischhorn!“, ruft es dann durch den dichten Klangteppich.  Und wenn eine Melodie in den Bratschen besonders schmeichelhaft erklingt, weicht selbst im Gesicht des Maestros der professionell konzentrierte Ausdruck einem anerkennenden Lächeln. (Katharina)

Mit der Möglichkeit nahezu das ganze Orchester zu beobachten, dennoch den Dirigenten wie ein Musiker im Blick, erklingen eröffnende nächtliche Klänge der poetischen Alpenlandschaft, über die im nächsten Moment die Sonne aufgeht. In den Noten der in nächster Umgebung sitzenden Flötisten und Geiger Überblick behaltend, wird sodann an herausfordernden Fragmenten gefeilt und es überrascht nicht nur mit welcher Sicherheit der Dirigent feinste Missstände aufzuzeigen vermag, sondern auch welch klangliche Auswirkung eine jede solche Verbesserung im Ohr des vergleichsweise unbefangenen Zuhörers bewirkt. (Ladislaus)

Marek Janowski dirigiert das 2. Philharmonische Konzert in der Saison 2017/18. Foto: Felix Broede

Als Konzerttester in der Elbphilharmonie kann man dies alles nicht bloß aus der Ferne erahnen, sondern ist mitten drin in diesem von Musik getragenen Konstrukt. Buchstäblich mittendrin: die Stühle von uns Zuhörern werden zwischen den Orchestermusikern platziert. „Wenn es zu laut wird, halt dir einfach die Ohren zu“, zwinkert einem der Nachbarsbassist zu. Aber der Sturm kommt erst später im Werk, zunächst lassen die weichen Streicherklänge und langen Bläsertöne morgendliche Nebelschwaden vorüber ziehen. Mit ihrem Spiel führen die Orchestermusiker auf eine Reise „Durch Dickicht und Gestrüpp auf Irrwegen“ bis in luftige Höhen. Über weite Passagen darf die Musik ungestört fließen und auch wenn Marek Janowski abwinkt, gibt es immer noch eine Art Nachklang, sodass der Spannungsfaden nie ganz abgerissen scheint. Zur vollen Entladung kommt es in dem auskomponierten Gewitter von Strauss, das zwar wild aber nie wirklich bedrohlich gemahnt, selbst als das Donnerblech durchgerüttelt wird. Um die erhitzten Gemüter zu beruhigen, wird auch noch der letzte Teil der Symphonie mit dem malerischen Sonnenuntergang dargeboten. Weich wird man in diese Klangwolke gebettet und vergisst dabei ganz, wo man selbst aufhört und die Musik beginnt. Ein einmaliges Erlebnis, Musik so hautnah in derartiger Qualität mitzuerleben! (Katharina)

Die Alpensymphonie erscheint dabei für den Rahmen ideal, kommen doch unzählige Facetten des Konzerthauses zur Geltung, das von einer gigantischen Besetzung vielfältiger Klangapparate bis hin zur eindrucksvoll integrierten Orgel erschaudert. […] Trotz der asymmetrischen Sitzposition nimmt dieser doch fast jedes Instrument in hinreichender Lautstärke war, hat somit abgesehen von der außergewöhnlichen Erfahrung auch ein an Publikumsplätze heranreichendes Konzerterlebnis. Die stetiger Verbesserung dienende Wiederholung einzelner Takte ermöglicht zusätzlich das Augenmerk jeweils auf andere Einzelaspekte der gewaltigen Tondichtung zu richten, ehe das Werk baldigst aufführungsbereit in nahezu ungestörtem Ausmaß in Abstieg und Sonnenuntergang seinen friedlichen Ausklang findet.

Schön, dass ihr bei uns wart! Du willst auch Konzert- Ballett oder Operntester werden? Dann bewirb dich unter folgender Email-Adresse: schausdiran@staatsoper-hamburg.de