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Opernreise nach Florenz (Tag 3)

Ein Kloster, eine Kirche und etwas sehr Weltliches.

Der erste Teil des Tages steht ganz im Zeichen der großen Meister Fra Angelico und Meister Giotto und ihren Fresken. Nach einem kurzen Spaziergang kommen wir zum sehr unscheinbaren Kloster San Marco, einem Dominikanerkloster. Drinnen erwarten uns aber unglaubliche Meisterwerke. Durch den ruhigen und sehr grünen Kreuzgang kommen wir direkt zu Fra Angelicos Fresko „Hl. Dominikus mit dem Gekreuzigten“. Besonders schön ist das sehr fein gestalte Gesicht des heiligen Dominikus und der sehr intensiv blaue Hintergrund. Frau Ruedinger erklärt die Schwierigkeit der Herstellung eines Freskos, bei der die Farbe auf den nassen Putz aufgetragen wird. Timing ist da alles. Das wunderschöne Blau wurde durch Zugabe von Lapislazuli erreicht. In der oberen Etage des Klosters stoßen wir auf Fra Angelicos „Die Verkündung“. Die Wahl der Farben und die Gestaltung der Flügel des Erzengels gefallen mir besonders gut. In der oberen Etage sind auch die Zellen der Mönche. Jede einzelne hat ein eigenes Fresko, welches als Meditationsbild galt.

Die Kirche San Marco

Der Kreuzgang des Klosters San Marco

Fra Angelicos „Hl.-Dominikus mit dem Gekreuzigten

„Die Verkündigung“ von Fra Angelico

Selbst die weltlichen Fürsten zogen sich von Zeit zu Zeit in eine Mönchszelle zur Meditation zurück. Ja, auch die wussten schon einen Burn-out zu vermeiden!

In der Bibliothek des Klosters waren einige feingestaltete Gesangsbücher ausgestellt. Die waren allerdings so groß und unhandlich, dass sie für den alltäglichen Gebrauch wohl ungeeignet waren. Im Kapitelsaal bestaunten wir das Kreuzigungsfresko. Ob der rötlich violette Himmel vom Maler beabsichtigt war, oder ob es ein Fehler bei der Farbauftragung war, ist nicht ganz zu klären. Auch wenn es ein Fehler war, ich finde es passt wunderbar in die dramatische Stimmung der Kreuzigung.

Kurz vor dem Ausgang sahen wir noch „Das letzte Abendmahl“ Ghirlandaios, welches ca. 100 Jahre nach den Fresken von Fra Angelico entstand. Schön finde ich die vielen liebevollen Details. Der schlafende Apostel neben Jesus, die Katze vorne im Bild, die den Betrachter anschaut und den Apostel (der 3. von links). Hat sich da doch eine Frau unter die Herren gemischt!?

Voll von Eindrücken haben wir uns in einer kleinen Bar Panini und Dolci verdient.

Gesangsbuch

Eine Mönchszelle mit Fresko

Kapitelsaal mit dem Kreuzigungsfresko von Fra Angelico

Abendmahl

Nach einem kurzen Marsch kommen wir zur Kirche Santa Croce. Dort ruhen einige wichtige Persönlichkeiten. Unter anderem Galileo Galilei, Machiavelli und ich Gioacchino Rossini. Erstaunt waren wir alle, dass es in dieser Kirche eine weibliche Skulptur gab, die der Freiheitsstatue von Amerika sehr ähnlich sieht. Gustave Eiffel hat sich hier auf einer Italienreise zu seinem Entwurf der Freiheitsstatue inspirieren lassen. Am Ende des Kirchenschiffs ist eine Kapelle mit Fresken von Giotto. Leider hatten auch diese Fresken sehr unter dem Hochwasser des Jahres 1966 gelitten. Bei diesem schrecklichen Hochwasser stand das Wasser meterhoch in der Kirche und der zurückgebliebene Schlamm hinterließ massive Schäden an den Kunstwerken.

Da es am Abend in die Oper geht, haben wir das kulturelle Programm ein bisschen früher beendet, um sich noch etwas auszuruhen und sich chic für den Theaterbesuch zu machen.

Santa Croce

Grab-von-Galileo

Vorbild der Freiheitsstatue

Grab von Rossini

Fresken von Giotto

Santa Croce

Um 18.30 Uhr treffen wir uns alle in der Lobby des Hotels für eine kurze Einführung zur Oper „Rigoletto“. Richard Eckstein weiß jede Menge Details zum Inhalt, der Entstehung und über Verdi zu berichten. Eine Oper voll Leidenschaft, Rache und Missbrauch – ein Gegensatz zu den vielen geistlichen Eindrücken des Tages wird uns erwarten.

Die neue Oper von Florenz, die 2014 eröffnet wurde, besticht durch eine klare und sachliche Architektur. Der Zuschauerraum, mit seinen 1.800 Plätzen, hat aber eine Besonderheit: Aus dem Parkett heraus besteht keine Möglichkeit, das Publikum aus den oberen Rängen zu sehen, umgekehrt genauso. Das ist mir bei meinen verschiedenen Opernhaus-Besuchen noch nicht begegnet.

Die Inszenierung bestach in ihrer Schlichtheit mit drei freibeweglichen Bühnenelementen, die auf einer Seite monochrom durch LED Wände beleuchtet wurden. So wurde zu jeder einzelnen Szene eine passende Lichtstimmung erzeugt. Am Ende gab es viel Applaus für das Ensemble und das Orchester. Der Tenor, der die Rolle des Ducas sang, kam nicht zum Applaus, was unsere Gruppe auf der Heimfahrt spekulieren lies. Was wohl die Ursache?

Einführung in der Lobby

Das Opernhaus von Florenz

Blick vom Orchestergraben hoch zum Rang

Die Besetzung des Abends

Schlussapplaus

Durch Verdis Musik beschwingt, ziehen wir uns in unsere Hotelzimmer zurück und vermissen die Meditationsbilder aus den Mönchszellen. 😉 Buonanotte!

Annette Weber